Wissenschaft oder Wissenschaftlichkeit? Teil 1

Sascha – 9. Juli 2020

Immer wieder stellt sich die Frage: „Ist eine Aussage oder die Darstellung eines Sachverhalts wahr und zutreffend, stimmt sie mit der Wirklichkeit überein, oder ist sie erdacht, erfunden, erlogen?“ – Nicht immer läßt sich diese Frage klar und eindeutig beantworten, da einerseits in vielen Wissenschaftsdisziplinen hochspezialisierte Fachleuten arbeiten, deren „Fach-Chinesisch“ oft nicht zu verstehen ist, andererseits aber die wissenschaftliche Allgemeinbildung der Masse der Bevölkerung im Kapitalismus sehr, sehr dürftig ist.

Die Zeitungen, der Rundfunk und das Fernsehen, d.h. die bürgerlichen Massenmedien, verbreiten ausschließlich Informationen der herrschenden Klasse für das Volk. Deren Sprache ist ein äußerst brauchbares Mittel für die geistige Manipulierung der Menschen. Als einzige alternative Informationsquelle bleibt dann oft nur das Internet, aus dem sich manche überaus gewitzte Schlaumeier ihr ganzes Wissen herausholen, um damit den Rest der Menschheit zu belehren und zu bekehren. Was also ist Wissenschaftlichkeit? Und was ist Wissenschaft?

„Studiert beharrlich die marxistisch-leninistische Theorie“

Karl Marx definierte kurz und bündig so: Wissenschaft ist „das Produkt der allgemeinen geschichtlichen Entwicklung in ihrer abstrakten Quintessenz.“ [1] Zugleich aber existiert die Wissenschaft als ein sich entwickelndes System von Kenntnissen. Dieses System ist in bestimmter Weise organisiert und bildet eine relativ adäquate  Widerspiegelung von Eigenschaften, Strukturen und Gesetzmäßigkeiten der objektiven Realität, d.h. der Natur und Gesellschaft, aber auch der subjektiven Realität, des Bewußtseins. Wissenschaft enthält im wesentlichen vier miteinander eng verbundene Elemente:

  1. empirische Kenntnisse, d.h. durch Erfahrung, Beobachtung und Experiment ermittelte Tatsachen und ihre Beschreibung;
  2. theoretisches Wissen über den betreffenden Objektbereich in Form von Gesetzesaussagen und weiteren theoretischen Aussagen sowei Hypothesen;
  3. Methoden und Verfahren, die von den Elementen der allgemeinen dialektischen Methode (→ Dialektik) über allgemeine Methoden vieler Wissenschaften bis zu den spezifischen Methoden der einzelnen Wissensgebiete reichen;
  4. philosophische Voraussetzungen und Schlußfolgerungen.

Damit ist eigentlich alles darüber gesagt, was man unter Wissenschaft versteht. Das übrige gehört in das Reich der Phantasie. Und – Meinungen sind nichts anderes als subjektive Schlußfolgerungen, die im einzelnen nicht einmal begründet werden müssen. Meinungen ändern sich je nach der individuellen Interessenlage und in Abhängigkeit von äußeren Einflüssen. Klar – Meinungen sind leicht beeinflußbar, sie sind manipulierbar. Und je weniger man weiß, desto leichter glaubt man, was einem gesagt wird. Unter kapitalistischen Verhältnissen sucht man Wissenschaftlichkeit oft vergebens. Da wird gelogen, betrogen und verheimlicht, da werden Falschmeldungen und Gerüchte verbreitet. Kurzum: Keine Maskerade ist billig genug, wenn es darum geht, das Volk zu verwirren.

 


LENIN sagte: „In der bürgerlichen Gesellschaft hat die Bourgeoisie die Masse der Werktätigen mit Hilfe der einen oder andereren, mehr oder weniger demokratischen Form regiert; regiert hat die Minderheit, haben die Besitzenden, die des kapitalistischen Eigentums teilhaftig sind, die das Bildungswesen und die Wissenschaft, die festeste und höchste Blüte der kapitalistischen Zivilisation, zu einem Werkzeug der Ausbeutung, zu einem Monopol gemacht haben, um die überwältigende Mehrheit der Menschen in Sklaverei zu halten.“ [2]



Im Imperialismus haben wir es also oft mit unwissenschaftlichen Aussagen und Erklärungen zu tun – mit Behauptungen, für die es keine Beweise gibt. Das heißt – wir werden, wenn es im Profitinteresse der herrschenden Klasse liegt, von Wissenschaftlern, die im Dienste des Imperialismus stehen, bewußt belogen und getäuscht. Die soziale Funktion der Wissenschaft im Kapitalismus und im Sozialismus ist total gegensätzlicher Natur:
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Die soziale Funktion der Wissenschaft

Die soziale Funktion der Wissenschaft besteht darin, den Menschen durch die Er­kenntnis der Gesetzmäßigkeiten der objektiven Realität das ent­scheidende Mittel zu geben, ihre natürlichen und gesellschaftlichen Existenzbedingungen zu beherr­schen und damit die bewußte und rationelle Gestaltung ihres gesell­schaftlichen Lebensprozesses zu ermöglichen.

• In der kapitalistischen Gesellschaft wird die soziale Funktion der Wissenschaft deformiert und entstellt, weil sie dem Profitinteresse des Kapitals untergeordnet und damit zum Werkzeug wird, die Ausbeutung der Werktätigen zu erhöhen und die überlebte antagonistische Klas­sengesellschaft länger am Leben zu erhalten.


• Erst in der sozialistischen Gesell­schaft beginnt die Wissenschaft, ihre so­ziale Funktion voll zu entfalten, und zwar in drei Richtungen: Er­stens wird sie zu einer unmittel­baren Produktivkraft der Gesell­schaft; zweitens wird sie zum theo­retischen Instrument der bewußten Leitung und Planung des Gesell­schaftsprozesses, und drittens wird sie zu einem Mittel der Bildung und Erziehung allseitig entwickel­ter Individuen. In der Einheit die­ser Funktionen wird die Wissenschaft immer mehr zu einer entscheidenden Grundlage der gegenwärtigen und künftigen gesellschaftlichen Ent­wicklung.

[1] Karl Marx: Marx/Engels-Werke, Bd.26, S.367
[2] W.I. Lenin: Referat auf dem II. Gesamtrussischen Gewerkschaftskongreß (20. Januaer 1919). In: W.I. Lenin, Werke, Dietz Verlag Berlin, Bd.28, S. 423-440.
[3] Alfred Kosing: Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Philosophie, Dietz Verlag Berlin, 1985, S.571.
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Erstveröffentlichung am 7. Juli 2020 auf Sascha’s-Welt. Veröffentlichung mit freundlicher genehmigung des Herausgebers. Bilder und Bilduntertexte wurden teilweise von der Redaktion Roter Morgen hinzugefügt.
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Teil 2 folgt in Kürze

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Dabei muss es sich nicht grundsätzlich um die Meinung der Redaktion handeln.




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