Ehre dem Gründer des Roten Morgen und Mitbegründer der KPD/ML, Ernst Aust

Grab der Familie Aust in Müden/Aller. | Bild: Archiv RoterMorgen

Redaktion – 31. Mai 2022

Vor Kurzem besuchten Redaktionsgenossen/-innen das Grab des Gründers des RotenMorgen, Ernst Aust, in Müden an der Aller.

12. April 1929 – 25. August 1985

Wer war Ernst Aust?
Der Genosse Ernst starb am 25. August 1986 und wurde am 12. April 1923 im Hamburger Arbeiterviertel Eimsbüttel als letztes von vier Kindern geboren. Sein Vater, ein kleiner Beamter und seine Mutter, eine Haushaltshilfe, brachten die Familie mit Mühe durch. Als junger Mensch musste Ernst in den Krieg ziehen. Er lernte an verschiedenen Fronten das Elend des faschistischen Krieges kennen. 1944 geriet er in britische Gefangenschaft. Im Lager lernte er einen Kommunisten kennen und begann mit dem Studium des Marxismus-Leninismus. So fand er Antworten auf viele Fragen, die der faschistische Krieg bei ihm aufgeworfen hatte. Und er fand eine neue Perspektive: den Sozialismus und Kommunismus. 1948, nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft, trat er in den „
Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands“ ein und betreute die FDJ kulturell. Er wurde Mitglied der KPD und arbeitete ab 1952 in der Redaktion der „Hamburger Volkszeitung“, der Zeitung der KPD, mit. 1953 beauftragte die KPD ihn, die Zeitung „Dat Blinkfüer“ (Das Leuchtfeuer) zu übernehmen, die zeit ihres Bestehens mit seinem Namen verbunden war. Die Zeitung entstand aus der Bewegung zur Befreiung Helgolands. Ernst initiierte eine Massenbewegung, die die Engländer zwang, die Bombardierung des Großen Knechtsandes im Wattenmeer und danach auch auf Helgoland einzustellen. Unter der Leitung des Genossen Ernst wurde Dat Blinkfüer zu einem weit verbreiteten und für die Bewegung im Norden wichtigen Kampfinstrument. Nach dem Verbot der KPD 1956 blieb die Zeitung im Norden der BRD praktisch ein legales Presseorgan der KPD. Bei der Reaktion verhasst, wurde Dat Blinkfüer vom Springerkonzern dadurch zur Einstellung gezwungen, dass man jedem Kiosk oder Zeitungsladen drohte, die Belieferung mit Springerzeitungen (Bild etc.) zu sperren, der noch Dat Blinkfüer führte.

Zeitungskopf »Dat Blinkfüer« aus dem Jahr 1956. | Bild: Archiv RoterMorgen

Doch die Entartung der kommunistischen Bewegung mit der Machtergreifung Chruschtschows griff um sich und erfasste auch die verbotene KPD. 1963 begann Ernst Aust zunächst in privaten Gesprächen, dann immer offener, diese Entwicklung anzugreifen und die revolutionäre Position der Partei der Arbeit Albaniens zu verteidigen und zu verbreiten.

Roter Morgen, Nr. 1 vom 1. Juli 1967. Mehr: klick aufs Bild oder hier. | Bild: Archiv RoterMorgen

Im Juni 1967 erschien der „Rote Morgen“ als Zeitung der Marxisten-Leninisten in der KPD und ruft zur Sammlung auf. Die entarteten Führer der verbotenen KPD gerieten in Panik. Im Oktober 1967 legte Genosse Ernst Aust alle seine Funktionen in der KPD nieder und wandte sich in einem offenen Brief an die Parteigenossen und die Leser des Blinkfüer. Um den RotenMorgen sammelten sich die Marxisten-Leninisten und am 30. Dezember 1968, 50 Jahre nach der Gründung der KPD durch Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg wurde die KPD/ML gegründet, deren Vorsitzender Genosse Ernst Aust bis 1983 war. Unter dem Druck der Studentenbewegung und dem Einfluss des Maoismus hatte es die junge KPD/ML zunächst schwer. Es gab mehrere Spaltungen. Doch Genosse Ernst verteidigte den Marxismus-Leninismus, wandte sich gegen linkssektiererische Abweichungen gegen den schädlichen Einfluss des Maoismus und orientierte die KPD auf die Arbeiterklasse.

RoterMorgen Ausgabe DDR, beid- seitig gedruckt auf dünnem Durschschlagpapier. (Mehr: Klick auf’s Bild oder hier) | Bild: Archiv RoterMorgen

Er war treibende Kraft beim Aufbau der illegalen Sektion DDR der KPD/ML, durch die das entartete revisionistische System in der DDR entlarvt und angegriffen wurde. Mit der Überwindung des Linkssektierertums in der KPD, wie sich die Partei mittlerweile nannte, entstand vor allem im Zentralkomitee eine rechtsopportunistische, trotzkistische Strömung. 1983 wurde Genosse Ernst Aust durch den Trotzkisten Horst-Dieter Koch als Vorsitzender der Partei abgelöst. Damit begann der Niedergang der Partei. Als 1984 die Marxisten-Leninisten in der KPD gegen den Kurs des ZK Front machten, schloss sich Genosse Ernst Aust an und kämpfte bis zu seinem Tod aktiv gegen diese zerstörerische Fraktion in der Parteiführung und für die Sammlung aller Marxisten-Leninisten zum Wiederaufbau der Partei. Mitten in dieser Auseinandersetzung starb er.

Das Grab des Genossen Ernst Aust am Tag seiner Beerdigung am 23. August 1987 und vor ein paar Tagen. | Bilder: Archiv RoterMorgen

Danach kam das, wovor uns der Genosse Ernst 5 Monate vor seinem Tod gewarnt hatte. In einer seiner letzten Schrift wies er darauf hin:Achtung: Jeder Spaltung, die vielleicht nicht zu vermeiden sein wird, besteht die Gefahr, dass man sich zwar einig ist, wogegen aber nicht, wofür man ist.“  Leider kam es nach dem Tode des Genossen Ernst Aust und anfänglichen ermutigenden Bestrebungen zu einer Zersplitterung und Schwächung der marxistisch-leninistischen Kräfte. Deshalb stehen wir heute vor der Aufgabe, den Weg, den Genosse Ernst Aust in seinem langjährigen Kampf aufgezeigt hat, in die Realität umzusetzen: Sammlung aller Marxisten-Leninisten und Schaffung einer starken kommunistischen Arbeiterpartei.

Wir trauerten um einen mutigen, bei aller Leidenschaft bescheidenen und sensiblen Genossen, die Jüngeren um einen wichtigen Lehrer.

Der Genosse Heinz zitierte am Grab ein paar grundliegende Stellen aus dem Kommunistichen Manifest. | Bild: RoterMorgen
  • Unsere Epoche, die Epoche der Bourgeoisie, zeichnet sich jedoch dadurch aus, dass sie die Klassengegensätze vereinfacht hat. (MEW 4,463).
  • Die Bourgeoisie kann nicht existieren, ohne die Produktionsinstrumente, also die Produktionsverhältnisse, also sämtlichen gesellschaftlichen Verhältnisse fortwährend zu revolutionieren. (MEW 4, 463).
  • Seit Dezennien ist die Geschichte der Industrie und des Handels nur die Geschichte der Empörung der modernen Produktivkräfte gegen die modernen Produktionsverhältnisse. (MEW 4, 467).
  • Das Proletariat kann nur so lange leben, als es Arbeit findet, und es kann nur so lange Arbeit finden, als seine Arbeit das Kapital vermehrt. (MEW 4, 468).
  • Das Proletariat rekrutiert sich aus allen Teilen der Bevölkerung. (MEW 4, 469).
  • Entscheidend ist bei Siegen des Proletariats nicht der unmittelbare Erfolg, sondern seine immer weiter um sich greifende Vereinigung. (MEW 4, 771).
  • Die Lohnarbeit beruht ausschließlich auf der Konkurrenz der Arbeiter unter sich. (MEW 4, 473).
  • Die Kommunisten haben theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung voraus. (MEW 4, 474).
  • Die theoretischen Sätze der Kommunisten sind allgemeine Ausdrücke tatsächlicher Verhältnisse eines existierenden Klassenkampfes. (MEW 4, 475).
  • Die Kommunisten zeichnet nicht aus, dass sie das Eigentum abschaffen, sondern das bürgerliche Eigentum. (a.a.O.)
  • Die Kommunisten können ihre Theorie in dem einen Ausdruck zusammenfassen: Aufhebung des Privateigentums. (a.a.O.).
  • Das Kapital ist in der bürgerlichen Gesellschaft persönlich, das tätige Individuum unpersönlich. (MEW 4, 476).

Hier findet ihr einige Reden und Aufsätze von Ernst Aust.
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