Und was ist mit Mao?

Redaktion Roter Morgen – 3. Februar 2020

»Und was ist mit Mao Tse-tung?« werden wir meist in den Gruppen der Sozialen Medien gefragt. Daher beschloss die Redaktion einen Text zu verfassen der, zumindest als Einstieg in dieses Thema informativ darstellt, wie wir zu den Mao Tse-tung-Ideen und der Rolle der Kommunistischen Partei Chinas stehen. Über das heutige China werden wir später ausführlicher berichten.

.(Dieser Text erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Die geschichtlichen. .Ereignisse sind erheblich umfangreicher als hier geschildert. Der Text ist als. .Einstieg in einen prägenden Teil der Geschichte des Marxisten-Leninismus und der. .deutschen Arbeiterbewegung anzusehen und soll den Wissbegierigen erste. .Antworten geben.).
.

Und was ist mit Mao?

Mao Tse-tung und die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) haben dem chinesischen Volk mit der erfolgreichen Revolution und der Gründung der Volksrepublik China (1949) enorme Fortschritte gegenüber den reaktionär-feudalistischen Regime und den deutschen und japanischen Okkupanten gebracht. Mit der Zerschlagung der alten Gesellschaftsordnung wurde der Hunger und das Elend bekämpft und die Chinesen begannen sich als ein Volk zu identifizieren.

Diese enormen Erfolge und das zielstrebige und konsequente Voranschreiten der KPCh hat weltweit zigtausend junger Menschen, überwiegend aus akademischen und kleinbürgerlichen Kreisen ermutigt und bewegt, den Kampf gegen die verknöcherte bürgerlich- kapitalistische Gesellschaft auf zunehmen und unterdrückte Völker befähigt, den Volkskrieg gegen ihre Unterdrücker zu führen und zu gewinnen. Mao Tse-tung, Zhou Enlai und auch der vietnamesischer Revolutionär Hồ Chí Minh wurden weltweit zu Leitfiguren im Kampf gegen die kapitalistische Gesellschaftsordnung und mitunter auch zu sogar zu einer Art Popikonen erkoren.

Studentenbewegung:Demo am 15.11.1969 in Wetberlin gegen den Krieg der USA in Vietnam und für den Sieg der vietnamesischen Revolution. Der Demonstrationszug führte vom Herrmannplatz in Neuköln zur Innenstadt.

In der BRD und in Westberlin war es die linksbürgerliche Studentenbewegung, die auch als die s. g. 68er-Bewegung bezeichnet wurde und sich an der KPCh orientierte. Im Zuge des Untergangs dieser kleinbürgerlich-revolutionären Bewegung wurde 1968 die Kommunistische Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten (KPD/ML) gegründet (Zentralorgen RoterMorgen). Dieser Schritt war nötig, weil sich eine Großzahl der alten kommunistischen Parteien den Doktrin der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KpdSU) unterordnete, die sich zwischenzeitlich zu einer Partei des „modernen Revisionismus“ mit straken sozialfaschistischen Tendenzen entwickelt hat.

Die KPD/ML wuchs schnell und hatte eine große Anzahl von proletarischen Genossen/innen und ebenso eine beträchtliche Anzahl von Genossen/innen mit kleinbürgerlichem Elternhaus, die zu einem großen Teil aus der sog. 68er-Bewegung stammten. So war die Achtung des Kampfes der KPChs und die als Mao Tse-tung-Ideen bekannt gewordene Ideologie ein wichtiger Bestandteil der Linie der KPD/ML und lange Zeit der Motor der Bewegung. Das geschah insbesondere im Zusammenhang mit der Polemik von China und Albanien gegen die Generallinie der kommunistischen Weltbewegung, die sie als revisionistisch entlarvten. Ohne die Existenz der KPCh wäre die KPD/ML zu der Zeit nicht gegründet worden. Davon zeugt nahezu jede Ausgabe des RotenMorgen aus dieser Zeit.

Bild aus der Zeit der sog. „Kulturrevolution“ (1966 bis 1976). dDemütigung vor dem Volk als Erziehungsmaßnahme
1972, Mao trifft sich erstmals mit dem Vertreter des US-Imperialismus Richard Nixon. Bild: Archiv Roter Morgen

Aber Mao Tse-tung war kein Marxist-Leninist, er hat den Marxismus-Leninismus nicht schöpferisch angewendet, sondern vulgärmarxistisch verfälscht. Inhaltlich relativ flach auf eine Fortführung der „Klassiker“ Marx, Engels und Lenin orientiert, griff der Maoismus auch auf die chinesische Philosophie zurück und entwickelte eine Art Sozialethik. Er nahm zunächst eine zentristisch-versöhnlerische Haltung ein. Mit dieser ideologischen Haltung versuchte der Maoismus, sowohl Einfluss in dem einen als auch in dem anderen Weltlager zu gewinnen, um so als lachender Dritter, die Führung zu übernehmen. In der Generallinie („Polemik“ 1963) ist diese Marschroute vorgezeichnet und später in der „Theorie der 3 Welten“ weiter konkretisiert worden. Um China zu einer Supermacht zu machen, musste Mao zunächst den größten Konkurrenten aus dem Weg räumen – die Sowjetunion. Zu diesem Zweck verbündete der Maoismus sich mit dem US-amerikanischen Imperialismus und versuchte auch die marxistisch-leninistische Weltbewegung auf diesen Weg zu zwingen, was ihm bekanntlich nicht gelang.

Mao war ein bürgerlich-demokratischer Revolutionär, der nach Klassenversöhnung schielte. Seinem Volk brachte er zwar die Unabhängigkeit und einen höheren Lebensstandard aber nicht den Sozialismus.

Roter Morgen vom 11. August 1978

Mitte bis Ende der 70er-Jahre erkannten die Marxisten-Leninisten, dass die Mao Tse Tung-Ideen nicht marxistisch-leninistisch sind und die Kritik von Seiten der KPCh nicht auf marxistisch-leninistischer Grundlage beruhte. Die Diskussionen über die Mao Tse-tung-Ideen hielten in der KPD/ML bis 1978 an. Mit Erscheinen der Ausgabe 32/78 wurde dann auch der Kopf Maos nicht mehr im Zeitungskopf gezeigt.

Die Mao Tse-tung-Ideen weisen den Weg zur Konterrevolution und dem kapitalistischen Staat, wie er sich später und bis heute gebärdet. Maos Fehler war u. a. auch der, dass er die innere Schwäche des Sowjetrevisionismus nicht erkannt hatte, den Sozialimperialismus zum Hauptfeind erklärte und den westlichen Imperialismus unterschätzte. Seine Einschätzungen über das Wirken von Stalin war vollkommen willkürlich und ohne Argumente. So ist der Vorwurf, Stalin hätte keinen Kampf gegen die Bürokratie geführt und die Kulturrevolution wäre eine Weiterentwicklung davon vollkommen aus der Luft gegriffen, denn Stalin war ständig bestrebt, die Massen zu mobilisieren und hat damit den Bürokratenapparat durcheinandergewirbelt. Die Hegemonie der Arbeiterklasse war in China noch schwieriger als in der Sowjetunion. Es gab keine bolschewistische Arbeiterklasse in den Städten. Die Revolution wurde überwiegend von den armen Bauern gemacht.

Die Reaktion Mao Tse-tungs und der KPCh wie die Experimente „Großer Sprung nach vorne“ und die sog. „Kulturrevolution“ Waren weder angemessen noch marxistisch-leninistisch und haben Millionen Menschen das Leben gekostet. Der Untergang der VR China und der revisionistische Weg der KPCHs ist aber nicht allein Mao zu verdanken. Kämpfe der geduldeten Klassen in der Partei und die Nachfolger Mao hatten einen weiteren Einfluss auf die Entwicklung des Landes. Ihr Erbe ist ein sozialfaschistischer Überwachungsstaat. Wie wir ihn heute kennen. 
.

Anhang:
.

Die Mao Tse-tung-Ideen widersprechen dem Marxismus-Leninismus

Dazu nachfolgend eine Auflistung interessanter und wegweisender Schriften. Bitte stöbert hier und macht Euch mit den Argumenten der Marxisten-Leninisten vertraut.

Bezüglich einiger Anfragen in den Diskussionsgruppen der Sozialen Medien möchten wir darauf hinweisen, dass es nicht die Aufgabe von RoterMorgen ist, alle Detailfragen mit einzelnen Leser/innen zu klären und mit Jedem immer und immer wieder über das Thema zu diskutieren. Wir sprechen die Themen an, die unsere Leser/innen interessieren und liefern gerne auch Links zu Hintergrundmaterialien, so dass jede/r die Möglichkeit hat, nachzulesen, sich schlauzumachen und mit diesem Hintergrundwissen zu diskutieren.

Titel Erscheinungs
Datum
Autor Erstveröffent-
lichung
Down-
load
Brief des ZK der Partei der Arbeit Albaniens und der albanischen Regierung an das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas und die chinesische Regierung 29. Juli 1978 ZK der PAA und Ministerrat der VRA
[PDF]
Brief an Hysni Kapo
In China gibt es keine Kommunistische Partei,
sondern nur Cliquen und Gruppen, die um die Macht kämpfen
30. Juli 1978 Enver Hoxha Zeri i popullit [PDF]

Betrachtungen über China

 1. Jan. 1979 Enver Hoxha Verlag 8. Nentori [PDF]

Die konterrevolutionäre Washington – Peking

5. Jan. 1979  – 5. Jan. 1979 [PDF]

Die Mao Tse-tung-Ideen widersprechen dem Marxismus-Leninismus

5. Jan. 1979 5. Jan. 1979 [PDF]

Imperialismus und Revolution

1979 Enver Hoxha Institut f. marxistisch-leninistische Studien b. ZK d. PAA [PDF]
Der Weg der Partei 4/79
30 Jahre Volksrepublik China – 30 Jahre Lüge und Betrug
1979 ZK der KPD/ML Verlag Roter Morgen GmbH. [PDF]
Mit den MaoTsetungideen durchs Jahr 25. Jan. 2029 Rote Fahne Verlag, N.Y. [PDF]
Wie die Stasi den Maoismus als Spaltwerkzeug benutzte 20. Dez. 2029 Hosteni Arbeit Zukunft Magdeburg [PDF]

Diese Auflistung erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Wir sind bemüht sie nach und nach zu ergänzen.
Passende Texte schickt uns bitte an Redaktion(at)RoterMorgen.eu
.

 

4 Kommentare

  1. Der Maoismus nahm zunächst eine zentristisch-versöhnlerische Haltung ein. Mit dieser ideologischen Haltung versuchte der Maoismus, sowohl Einfluss in dem einen als auch in dem anderen Weltlager zu gewinnen, um so als lachender Dritter, die Führung zu übernehmen. In der Generallinie („Polemik“ 1963) ist diese Marschroute vorgezeichnet und später in der „Theorie der 3 Welten“ weiter konkretisiert worden. Um China zu einer Supermacht zu machen, musste Mao zunächst den größten Konkurrenten aus dem Weg räumen – die Sowjetunion. Zu diesem Zweck verbündete der Maoismus sich mit dem US-amerikanischen Imperialismus und versuchte auch die marxistisch-leninistische Weltbewegung des Genossen Enver Hoxha auf diesen Weg zu zwingen, was ihm bekanntlich nicht gelang.

    Nixon in Peking, siehe: https://rotermorgen.eu/wp-content/uploads/2021/02/lossy-page1-1200px-President_Nixon_meets_with_Chinas_Communist_Party_Leader_Mao_Tse-_Tung_02-29-1972_-_NARA_-_194759.tif.jpg

    Es ist ferner bekannt, dass in den 70er Jahren, insbesondere nach dem Nixon-Besuch in Peking, der Maoismus zum Hoxhaismus eine nunmehr offen feindliche Haltung einnahm und die Unterstützung des sozialistischen Albanien abbrach.
    Die Spaltung der marxistisch-leninistischen Weltbewegung wurde unvermeidlich. So entstand das Weltlager der Maoismus und das Weltlager des Hoxhaismus, die sich beide nunmehr offen und unversöhnlich gegenüberstehen – bis heute.

    • Man hatte geglaubt den Gebetsteppeich nicht mehr nach Moskau, sondern nach Peking ausrollen zu müssen. Doch auch das erwies sich als Trugschluss. Und so wurde nach Albanien ausgerollt. Als aber auch das sich als Trugschluss erwies, gedachte man in Deutschland das Mekka des M.-L. zu errichten. So gründeete man gleich 3 Internationalen. Doch alle sind nur Papiertiger und möchten nur das deutsche Wesen der Welt genesen machen mittels großdeutscher Arroganz. Marx und Engels würden sich im Grabe drehen.

  2. Zur kleinbürgerlich-revolutionären Welle der westdeutschen Linken.

    Eine Bereitstellung von Reinhold Schramm

    „Resozialisierung“ in den 1980er-Jahren

    Vgl. Beitrag von Ulrich Heyden auf RUBIKON *

    Ein Auszug:

    »Nicht wenige KB-Mitglieder blieben nach der Repressionswelle in den Betrieben. Sie blieben Betriebsräte und gewerkschaftliche Vertrauensleute. Einige gingen ihren Weg auch weiter als Gewerkschaftssekretäre. Inzwischen war man klüger geworden. Seine revolutionäre Vergangenheit verschwieg man.

    Nachdem der Kampf in den Betrieben gescheitert war, gingen viele ehemalige Aktivisten zurück ins „bürgerliche Leben“. Es begann eine Phase der „Resozialisierung“.

    Nach einer Zeit, die Elemente eines Bürgerkrieges hatte, musste man wieder lernen, mit „der anderen Seite“ zu reden. Man suchte das Gespräch nicht mehr von der angreifenden, revolutionären Position aus, sondern von der Position desjenigen, der bereit ist, sich an der Demokratisierung der Gesellschaft zu beteiligen.

    Der bürgerliche Staat und die Unternehmen ihrerseits zeigten sich offen für ehemalige Revolutionäre. Man musste nicht unbedingt reumütig sein. Es reichte, wenn man auf politische Betätigung verzichtete. Man durfte das an Ideen und kreativem Potenzial einbringen, worauf Konservative nicht kamen: Müllvermeidung, die Integration von „schwierigen“ Jugendlichen und die Gleichstellung der Geschlechter im Arbeitsleben.

    Ob er die Betriebsarbeit und seine zwanzig Jahre im KB ereue? Nein, meint Uwe. Wenn er heute in den Flugblättern und Betriebszeitungen des KB blättere, finde er vieles, was er heute noch genauso schreiben würde. Er sei froh, dass er dabei war. Und dann fällt ihm ein Zitat von Brecht ein: „Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren.“«

    * Vgl. RUBIKON am 17. Februar 2021: Entfremdete Kampfgefährten.
    In Westdeutschland gingen in den 1970er-Jahren linke Intellektuelle noch in die Betriebe, um die Arbeiterschaft wachzurütteln. Von Ulrich Heyden.
    Entfremdete Kampfgefährten | Rubikon
    https://www.rubikon.news/artikel/entfremdete-kampfgefahrten

    »Dieses Werk ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen dürfen Sie es verbreiten und vervielfältigen.«

    18.02.2021, R.S. (Bereitstellung)

  3. Mao war wohl objektiv ein Revisionist aber KEIN KONTERREVOLUTIONÄR im Vergleich zu Chruschtschow und Gorbatschow. Beide Chruschtschow und Gorbatschow waren nicht nur Verräter sondern auch Verbrecher. Beide haben bewußt gelogen und betrogen. Ihr Motto war „Bereichert euch“ das Ergebniss die Oligarchen und das Verbrechen kehrte nach Rußland zurück. Und Stalin wird als Massenmörder beschimpft. Aber wie sagte schon Brecht über den Kommunismus Er ist vernünftig, jeder versteht ihn. Er ist leicht.
    Du bist doch kein Ausbeuter, du kannst ihn begreifen.
    Er ist gut für dich, erkundige dich nach ihm.
    Die Dummköpfe nennen ihn dumm, und die Schmutzigen nennen ihn schmutzig.
    Er ist gegen den Schmutz und gegen die Dummheit.
    Die Ausbeuter(DIE VERBRECHER) nennen ihn ein Verbrechen.
    Aber wir wissen:
    Er ist das Ende der Verbrechen.
    Er ist keine Tollheit, sondern
    Das Ende der Tollheit.
    Er ist nicht das Chaos
    Sondern die Ordnung.
    Er ist das Einfache
    Das schwer zu machen ist.
    Wenn sie Stalin ein Verbrecher nennen so ist das nur natürlich. So wie sie Stalin verfluchen so glorifizieren sie Trotzki leider auch Linke und Kommunisten

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*