Spargelhof Ritter im Sumpf von Betrug und Ausbeutung

Redaktion – 9. Juni 2020

»Jeder Spargel sprießt wie Dill -- wenn Dein starker Arm es will!« Unter diesem Slogan berichteten wir am 27. Mai über die unhaltbaren Zustände bei  dem sich in Insolvenz befindlichen Landwirtschaftsbetrieb „Spargel-Ritter“ in Bornheim bei Bonn. Nachdem Ritter, die vereinbarten Löhne nicht gezahlt hat, verließen die Erntehelfer aus Rumänien kurzerhand den Betrieb und der Spargel schoss wie Dill in die Höhe.

Jetzt, Ritter ist gerade bei der Erdbeerernte, bekamen die Eigentümer Besuch vom Zoll im Bornheimer Betrieb und auch im Wohnhaus der Familie in Bonn. Was dabei und bei den Recherchen des WDR und einiger regionalen Zeitungen herauskam, ist haarsträubend! Die Ermittlungen gegen den Familienbetrieb laufen schon lange, wie ein Papier das dem WDR zugespielt wurde belegt. Es geht um Steuerhinterziehung und Sozialversicherungsbetrug.

Der WDR veröffentlichte am 8. Juni 2020 diese Bild eines Schreiben des Zolls vom Oktober 2018

Zwei Kolleginnen, die bei Ritter beschäftigt waren, enthüllten vor der Kamera des WDR die Machenschaften der Familie Ritter. Unfassbar aber war: Die Erntehelfer bekamen in der betriebseigenen Kantine, oft Lebensmittel zu essen, deren Mindesthalbarkeitsdatum mehrere Jahre abgelaufen war.

Monika Blank wurde gezwungen Essen aus alten Lebensmittel zu kochen.

Dazu die Kollegin Monika Blank, die in der Ritterkantine gearbeitet hat: „Ich musste Zutaten verarbeiten, deren Mindesthaltbarkeitsdatum mindestens seit zwei Jahren abgelaufen waren. Dazu gehörten auch eingefrorene Hähnchenkeulen.“
Und weiter: „Die Anweisung war halt, noch mal gut zu waschen und mit Pfeffer und Salz zu würzen, damit die Leute das nicht merken. Irgendwo hatte man ein schlechtes Gewissen – aber irgendwo denkste – ok, mach es einfach, weil da immer dieser Druck war.“
Dazu Claus Wilhelm Ritter: Das war alles ok, unsere Familie hat auch davon gegessen. (Mehr siehe unten im Video).

Ursula Heß, Büroangestellte bei Ritter

Die Kollegin Ursula Heß berichtete aus dem Büroalltag von Ritter, wie dort Regeln umgangen wurden: „Die fahren dann nach 90 Tagen nach Hause, weil sie ihre Familien mal wieder sehen möchten. Danach kommen die gleichen Leute mit einem anderen Ausweis und anderen Papieren zurück. Sie sind dann unter einem anderen Namen wieder für 90 Tage hier.  (Mehr siehe unten im Video).
Zu diesem Verfahren wollte sich Claus Wilhelm Ritter nicht vor der WDR-Kamera äußern.

Gegenüber dem WDR berichtete die Kollegin Ursula Heß nun erneut: Sie sei fast vom Hocker gefallen, als sie diese Aussage von Claus Ritter im Fernsehen gesehen habe. Seit fünf Jahren arbeitet sie im Büro für die Eheleute Ritter. Familie Ritter, sagt sie, habe die rumänischen Erntehelfer nie gut behandelt. Besonders ist ihr ein Vorfall in Erinnerung geblieben.
„Da wollte ein Mann unbedingt nach Hause. Ich weiß nicht mehr, was der Grund war, aber er hatte offensichtlich große Probleme. Dem wurde das abgewiesen und dann griff er hier durch das offene Fenster in meinem Büro, nahm sich meine Büroschere und schlitzte sich damit den kompletten Oberarm auf. Nach dem Motto: Wenn ich verletzt bin, kann ich nicht mehr arbeiten und dann müsst ihr mich nach Hause schicken.“

Ausschnitt aus WDR, Aktuelle Stunde vom 8. Juni 2020

So ein Vorgehen ist in der Branche mit Erntehelfern nicht selten. Um Vorgaben für die Behörden zu erfüllen werden Papiere gefälscht. Es werden die Bestimmungen so zurecht „gebogen“, bis sie stimmen. Bei den „Großen“ fällt das i. d. R. nicht auf, die Kleinen aber werden gehängt. Jedoch in allen Fällen haben immer die Kollegen darunter zu leiden, die als Erntehelfer tätig sein müssen. Unser kapitalistisches Gesellschaftssystem ist auf Gewinn ausgerichtet, da scheint alles erlaubt zu sein, man muss sich nur nicht erwischen lassen. In diesem Fall kennt die Skrupellosigkeit anscheinend keine Grenzen und nun wird die Staatsanwaltschaft tätig werden. In anderen Fällen erfährt sie nie etwas von den Verbrechen. Aber, die Hauptursache ist die Aufrechterhaltung des Systems, der Ausbeutung. Das Loch das hier gestopft wird, reißt auf der nächsten Seite wieder auf, weil das Ausbeutungssystem systematisch ist und erst vollständig abgeschafft ist, wenn es gestürzt und beseitigt wird.  Bis dahin müssen wir diesen  arroganten Typen, wie Ritter, die Stirn bieten. Jedes Vergehen zur Anzeige bringen, Streiks organisieren, den Kollegen zur Seite stehen und die Verbrechen öffentlich machen. Der ROTER MORGEN ist dabei und unterstützt diesen Kampf!

Wir bleiben am Ball und berichten auch weiter über diesen Fall.
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Quellen: WDR Landesstudios Bonn und des General-Anzeigers Bonn

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