Wider den Pluralismus

Erstausgabe des Kommunistischen Manifest am 21. Februar 1848 | Photo: Videoscan YouTube
Heinz Ahlreip – 10. März 2023
Heinz Ahlreip

Der Marxismus-Leninismus beinhaltet die wissenschaftliche Zusammenfassung der Berufs- und damit größtenteils auch der Lebenserfahrungen der gänzlich von Produktionsmitteln freien Arbeiterklasse.

Aber diese “Freiheit“ beinhaltet zugleich die Ketten der Lohnsklaverei für Milliarden Menschen. Anders als der antike Sklave gilt der Lohnsklave nicht als Sache. Er verkauft seine Arbeitskraft auf arbeitsvertraglicher Basis zeitweise im Kontext eines reinen Geldverhältnisses nach Bedarf der Kapitalisten, die alle Produktionsmittel, Rohstoffe und Lebensmittel besitzen. Er ist als Ware also allen Schwankungen der Konkurrenz unterworfen, so dass ein widerspruchsvoller Arbeitsprozess vorliegt:  Die technisch-industrielle Revolution bringt mehr und mehr kollektive Arbeitsprozesse hervor,  bei gleichzeitigem Fortbestand der auf dem Privateigentum an Produktionsmitteln belassenen mit der freien Konkurrenz identischen großen Industrie. Je reicher die Kapitalisten werden, desto zahlreicher werden die lohnarbeitenden Menschen. Es ist unter andrem dieser Widerspruch zwischen kollektiver Produktion und privater Aneignung, der Lehren vielfältigster Art zu seiner Behebung provoziert. 

Da die bürgerliche Ideologie, darauf bedacht, eine ganz neue Organisation der Gesellschaft ohne Geld zu verhindern, den Marxismus auf gesellschaftswissenschaftlicher Grundlage nicht widerlegen kann, hat sie sich auf eine taktische Vorgehensweise verlegt, ihn den Nimbus der Wissenschaftlichkeit durch Einebnung in die Phalanx der unwissenschaftlichen Lehren zu stehlen, als eine zu wählende Variante unter vielen.  Die Entscheidung der Arbeiterklasse, ihr Leben marxistisch-leninistisch und damit klassenkämpferisch zu gestalten, soll nicht mit der Entwicklung des dialektischen Wechselverhältnisses zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen korrespondieren, sondern zufälligem subjekivem Revolutionismus anheimgestellt sein. Engels schreibt dagegen im Vorwort zur polnischen Ausgabe des Manifestes von 1892, dass die Nachfrage nach dem Manifest den Entwicklungsgrad der großen Industrie anzeigt. 1. Es ist ein lapidarer Trick der politischen Rosstäuscher aller Länder: Thematische Schwerpunktverlagerung auf die subjektive Ebene unter Beibringung pseudowissenschaftlichen Blendwerks.

Objektive Umstände, unter anderem der mehr und mehr um sich greifende, nicht linear durchgängige Fortschritt im Klassenbewusstsein der Arbeiterklasse, zwingen heute die bürgerlichen Ideologen, mit dem Begriff der Demokratie zu operieren, den sie jedoch streng von der Eigentumsfrage an den Produktionsmitteln separieren. Für die klassenbewussten Arbeiterinnen und Arbeiter ist diese reine Demokratie ein nur aus Gräten bestehender Fisch, den man ihr vors Gesicht baumelt. Demokratie ohne Eigentumsfrage ist der Arbeiterklasse nutzlos, im proletarischen Demokratiebegriff muss sofort ein direkter Angriff auf das Privateigentum stecken. So liegt also mit dem bürgerlichen Begriff der Demokratie eine Augenwischerei vor. Insbesondere kleinbürgerliche Ideologen ergießen sich in eine Phantasmagorie einer heute bereits bestehenden bunten, vielgestaltigen Gesellschaft, in der entgegen der imperialistischen Vergesellschaftung der Arbeit und entgegen der zunehmenden Kollektivität der kapitalistischen Produktion, entgegen der Tatsache, dass die großen Maschinen schon heute die Arbeitsteilung untergraben, alles objektive Bedingungen zur Befreiung des Proletariats, auch Kapitalisten und Bankiers noch Platz haben. Wir aber müssen eine Gesellschaft ohne Schmarotzer aufbauen. Die kommunistische Gesellschaft ist keine politisch rote, sondern eine politisch farb- bzw. klassenlose. Das Vorgaukeln einer bunten und vielgestaltigen Gesellschaft suggeriert, dass die kapitalistische, vereinseitigende Verstümmelung der menschlichen Fähigkeiten nicht mehr existiere, dass jeder seine allseitig ausgebildeten Fähigkeiten vielfältig-kreativ ausleben könne, was aber erst einer kommunistischen, ich wiederhole: Farblosen Organisation der Gesellschaft vorbehalten bleiben muss. 
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ANMERKUNGEN:

  1. Friedrich Engels: „Vorwort zur polnischen Ausgabe“ (1892) des Manifestes, Werke, Band 4, Dietz Verlag Berlin, 1960 Seite 587

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