»Feuer aus den Kesseln!«

Redaktion – 9. November 2021

Der Kieler Matrosenaufstand, die Novemberrevolution 1918, die Schande der SPD und die Lehren daraus

Mit dem Ruf »Feuer aus den Kesseln« leuteten die Roten Matrosen von Kiel vor nun 103 Jahren die Novemberrevolution ein. Es gärte ein ganz Deutschland. Soldaten verweigerten den Dienst und wendeten sich gegen ihre Offiziere, Arbeiter streikten zu hunderttausenden, Frauen gingen gegen den Hunger auf die Straße.

Vier Jahre lang hatten der Kaiser die Industriellen uns mit dem von ihnen angezettelten Weltkrieg ins Elend gestürzt. Weltweit wurden 18 Millionen Soldaten und Zivilisten dieses brutalen Krieges zwischen den verschiedenen imperialistischen Mächten getötet.

Die Menschen hatten die Nase voll von Tod, Hunger, Elend. Sie hatten die Nase voll vom kapitalistischen System, dass sie unter nationalistischen Parolen in diesen Krieg gehetzt hatte.

Obwohl in der internationalen Arbeiterbewegung vereinbart war, im Falle eines Krieges gegen die Regierungen und den Krieg zu mobilisieren, brach die SPD-Führung diese Abmachung und stimmte zuvor den Kriegskrediten zu. Sie erhielt dafür begehrte Posten und arbeiteten in der kaiserlichen Regierungs- und Kriegsmaschinerie mit. Kriegsgegner wie Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ließ die SPD-Führung in Zusammenarbeit mit der kaiserlichen Regierung inhaftieren.

Als am 3. November in Kiel die Revolution ausbrach und am 9. November in Berlin eine sozialistische Republik ausgerufen wurde, erklärte SPD-Führer Friedrich Ebert: „Ich aber will sie nicht, ja, ich hasse sie wie die Sünde.“ Offiziell trat er als „Revolutionär“ auf, im Geheimen schmiedete er ein Bündnis mit den reaktionärsten Kräften des Militärs und des Kapitals zur blutigen Niederschlagung der Revolution.

In Deutschland fehlte eine klare, bewusste und erfahrene Kommunistische Partei, die diesem Verrat entgegentreten konnte. Auf Betreiben von Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und anderen wurde am 30. Dezember 1918die Kommunistische Partei Deutschlands (KP) gegründet.

Kurz darauf tauchten in Berlin Plakate auf: „Schlagt Liebknecht tot!“. Die SPD-Führung beauftragte das Militär und bezahlte reaktionäre Trupps, die Genossen/innen Liebknecht und Luxemburg „unschädlich“ zu machen. Am 15. Januar wurden die beiden Kriegsgegner und großen Revolutionäre ermordet.

Im Kampf gegen die Revolution gingen die SPD-Führer so weit, dass sie Berlin zum ersten Mal aus der Luft bombardieren ließen. Arbeiterviertel waren das Ziel der Bomben. Der „Volksbeauftragte“ für das Militär, Gustav Noske, SPD: „Meinetwegen, einer muss der Bluthund werden. Ich scheue die Verantwortung nicht.“

So wurde die Hoffnung auf ein Deutschland ohne Krieg und Kapitalismus im Blut erstickt.

November 1918: Die Belegschaft der U-Boot-Abnahmekommission in Kiel auf dem Wohnschiff SMS Amazone schloss sich schnell den aufständischen Matrosen an

Heute leben wir in einer Zeit der Aufrüstung und zunehmender Spannungen zwischen den imperialistischen Großmächten. Auch die deutsche Regierung plant eine massive Aufrüstung. Alles läuft Richtung Kriegsgefahr. Zugleich haben wir in einem der reichsten Industrieländer der Erde Billiglöhne, Sozialabbau, Bildungsmisere, Rassismus und Hass, Niedrigstrenten und Pflegenotstand.

Was können wir in dieser Situation aus den Ereignissen der Novemberrevolution lernen? Was können wir heute gegen Kriegsgefahr, Sozialabbau, Verelendung tun?

Zur Geschichte der Novemberrevolution und die Lehren der Arbeiterklasse aus der Niederlage haben Genossen der heutigen Gruppe »RotePuplisher« schon 2018 eine Zusammenstellung von Artikeln veröffentlicht, die wir heute noch einmal ergänzt und an dieser Stelle neu verlinkt haben.
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Bitte nutzt diese einmalige Betrachtungen und Analyse aus dem Bildwinkel der Arbeiterklasse, um euch zu informieren es reicht nicht, dass wir Bescheid wissen – wir müssen sehr gut Bescheid wissen, um nicht noch einmal eine revolutionäre Niederlage erleiden zu müssen im Kampf für ein unabhängiges und sozialistisches Deutschland.

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Inhalt

Autor Titel
Diethard Möller

Auf dem Weg zur Novemberrevolution 1918

Diethard Möller

Schluss mit dem Krieg! Alle Macht den Arbeiter- und Soldatenräten

Diethard Möller

Der Kampf um die Macht

Diethard Möller

Schwankungen und Zögern

Fritz Theisen 100 Jahre Frauenwahlrecht – Ein bleibender Erfolg der Novemberrevolution!

Diethard Möller

Der DGB feiert mit der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände 100 Jahre Sozialpartnerschaft und blutige Niederschlagung der Novemberrevolution

Fritz Theisen

Bundespräsident Steinmeier: „Sozialpartnerschaft“ ist die Revolution!

Fiete Jensen

Die Lehren des Hamburger Aufstandes

Franz Pöschl

Die Novemberrevolution 1918 und die Schande der SPD

 

Comic ›Der Matrosenaufstand 1918 in Kiel‹

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„… [es] muß eine andere Welt erstehen. Eine Welt ohne Haß und Neid,
ohne Ausbeutung und Knechtschaft, eine Welt des Friedens,
der Freiheit und des Rechts.“
Lothar Popp, Karl Artelt, 1918)
Eine Ausarbeitung von Klaus Kuhl zum Kieler Matrosenaufstand


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Vor 100 Jahren beendeten revolutionäre Bewegungen die deutsche Beteiligung am Ersten Weltkrieg. Anteil daran hatten eine Vielzahl verschiedener AkteurInnen – Soldaten, ArbeiterInnen, FrauenrechtlerInnen und revolutionäre SozialistInnen. Zum Jubiläum des Aufstandes wollen wir die Erinnerung an die revolutionären Ereignisse wieder aufleben lassen. Darüber hinaus wollen wir uns einen historischen Überblick verschaffen und vor allem fragen: Wie kam es zum großen Aufbegehren und warum ist die Bewegung hin zu einem Rätesystem gescheitert? Wie konnte aus dem kurzen Moment der Hoffnung eine politische Ordnung hervorgehen, die einige Jahre später den Faschismus hervorbringen sollte? Was können wir auch 2018 noch aus den Ereignissen vor 100 Jahren lernen und welche Schlüsse für den Aufbauprozess einer revolutionären Bewegung heute ziehen?
Die Broschüre zum 100. Jahrestag als PDF zum download
Gerne verschicken wir auch Broschüren als Print-Version, schreibt uns dazu an
mail[at]perspektive-kommunismus.org

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1 Kommentar

  1. Sozialdemokratische Siege feiern, wie sie die Arbeiter an die Bourgeoisie verkaufen?

    Eine Bereitstellung von Reinhold Schramm

    »Siege feiern, wie sie erkämpft werden. Gastbeitrag. Werkverträge und Leiharbeit sind in der Fleischindustrie nun verboten. Dieser Sieg der SPD sollte anerkannt werden, findet der Gewerkschafter Johannes Specht.«

    Vgl. Meinungsmedium, der Freitag *

    Kommentar und Erwiderung von Flegel | dF-Community

    Befinden Sie sich bereits im Wahlkampfmodus?

    »…scheinen jenen, die sonst stets die Interessen der Arbeitenden vertreten, diesen Sieg zu verschlafen.«

    DIESEN SIEG?

    »Mit dem Gesetz soll „aufgeräumt“ werden in der Fleischwirtschaft, so hatte es Bundesarbeitsminister Hubertus Heil im Frühsommer nach den Corona-Ausbrüchen in Schlachthöfen angekündigt – und das wird es auch.«

    So kann wirklich nur ein Gewerkschafts- oder Partei-Apparatschik sprechen.

    Darf ich Sie daran erinnern, dass sich die „traditionellen“ Parteien des Deutschen Bundestags seit SPD-Kanzler Schröder zu einem »Parteienkartell aus CDU/CSU, SPD, FDP und GRÜNEn« gegen das Volk und für Big Money zusammengetan haben? Dass sie ganz bewusst Besitzstandsklau und gigantische Kürzungen der Masseneinkünfte bis hin zur Prekarisierung ganzer Bevölkerungsgruppen selbst noch über das Mittel der Einfuhr von Billigst-Arbeitskräften aus z.B. Rumänien und Bulgarien organisiert haben?

    Bitte nicht vergessen: Die politische und gesellschaftliche Gegenwartssituation ist in erster Linie das Ergebnis der Politik dieses „Parteienkartells aus CDU/CSU, SPD, FDP und GRÜNEn“ seit Durchsetzung der AGENDA 2010, der deutschen Variante neoliberaler Gesellschaftsumgestaltung mit Hilfe eines rigide angewendeten Hartz-IV-Regimes und einer rücksichtslosen Prekarisierung von Bevölkerung für einen fragmentierten Arbeitsmarkt, der Deutschland zum Niedriglohnland machen sollte und zu einem Land der schlechtesten Rentenquoten Europas. 20 Jahre Bundesregierungen, die das Lohndumping ermöglichten, die Werkverträge, die Vergabe an Sub-Sub-Sub-Unternehmer und schlussendlich die fast sklavenähnlichen Zustände an deutschen Schlachthöfen, wo die Arbeiter kaum besser behandelt werden, als das Vieh, dass sie verarbeiten sollen.

    Das war vom „Parteienkartell aus CDU/CSU, SPD, FDP und GRÜNEn“ POLITISCH SO GEWOLLT!!! Hören Sie?

    Was sie hier vortragen, ist nicht etwa der Sieg des Hubertus Heil oder gar der SPD. Beide sind Übeltäter hinsichtlich Werkverträge und Leiharbeit. Sie haben sie ausgebrütet und sind jetzt durch Coronavirus (COVID 19) besiegt worden. – Aber jetzt spielen sie sich auf und werden offensichtlich von Gewerkschaftern begleitet, die uns seit 20 Jahren einen von Sozial-PARTNERSCHAFT vorschwafelten und die Verelendung von Malochern begleiteten. //

    Eine Erwiderung von Flegel auf Johannes Specht, Leiter der Tarifabteilung der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

    * Vgl. der Freitag: Siege feiern, wie sie erkämpft werden. Gastbeitrag von Johannes Specht.
    Gastbeitrag ǀ Siege feiern, wie sie erkämpft werden — der Freitag
    http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/siege-feiern-wie-sie-erkaempft-werden#comments

    18.12.2020, Reinhold Schramm (Bereitstellung)
    [RS: Gewerkschafter der Basis seit 52 Jahren]

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