Die Jungen wollen sich das Feiern partout nicht vermiesen lassen…

Party. Bild: YouTube screnshot

Heinz Michael Vilsmeier – 23. Juni 2020

Der Stuttgarter Polizeipräsident macht die „Party- und Eventszene“ für die Randale verantwortlich. – Weiß er eigentlich, wen er meint? – Vermutlich nicht, ich hab da gewisse Zweifel. Dass er mit seiner Aussage den Eindruck erweckt, es handle sich um eine abgrenzbare Gruppe, ist irgendwie einfach dumm. – Prompt erklärt die unter Generalverdacht gestellte Club-Szene: „Wir sind es nicht gewesen!“

Die „Bild“ titelt von Schande und kolportiert, die Randalierer hätten „Allahu Akbar“ gerufen – selbstverständlich, ohne diese Behauptung unter Beweis zu stellen. Das ist nur deswegen erwähnenswert, weil sie damit den Rechten eine Steilvorlage liefert. Das Fehlen jeglicher Beweise für ihre Behauptung stört die Schreiber der „Bild“ keineswegs. Hauptsache, sie haben einen Zusammenhang zwischen dem Gewaltausbruch vom letzten Wochenende, wie er sich auf Stuttgarts Straßen ereignet hat, und muslimischen Migranten hergestellt und damit den Rassisten wiedereinmal ein Stichwort gegeben. Diese greifen die Berichterstattung des Schmierenblattes auf und verbreiten das Narrativ in den Sozialen Netzwerken weiter… Damit war zu rechnen.

Tatsache ist: Wir haben noch gar nicht begriffen, was da eigentlich passiert ist, in der Nacht von Samstag auf Sonntag, als in Stuttgarts Innenstadt Schaufenster zu Bruch gingen und die Gewalt sich gegen die vor Ort anwesenden Repräsentanten des Staates richtete. Dennoch sind viele schon dabei, eine vermeintliche Tätergruppe dingfest zu machen und härteste Bestrafung zu fordern: „Kriminelle“ seien es gewesen, wie man hört… – Stimmt das?

Auch wenn die Zerstörung von Schaufensterscheiben, die Plünderung von Läden und die Gewalt gegen Polizisten zweifellos kriminelle Handlungen sind, bedeutet dies keineswegs, dass die Akteure per se Kriminelle sind. Kriminelle sind bekanntlich Mörder, Gangster, notorische Gesetzesbrecher und Kapitalverbrecher, nicht zu vergessen jene, die mit weißen Krägen und in Nadelstreifen Millionen beiseite schaffen. Kriminelle sind Leute, bei deren Taten die Umstehenden, anders, als es nun in Stuttgart teilweise der Fall gewesen ist, eben nicht applaudieren. Genau das aber ist passiert, wie man auf den vielen Handyvideos, die im Netz kursieren, sehen kann.

Als „irreführend“ haben Clubbetreiber die Aussagen der Polizei bezeichnet, hinter der Krawallnacht von Stuttgart stecke die „Partyszene“. Damit werde eine Branche, die gerade „genug zu kämpfen“ habe, in ein schlechtes Bild gerückt. Bild: YouTube screnshot

Fritz Kuhn, der Oberbürgermeister der Stadt Stuttgart, wurde nicht müde zu betonen, die jungen Menschen auf den Straßen Stuttgarts hätten in den letzten Wochen geradezu eine gewisse Festivalstimmung hergestellt. Man hätte das einfach einmal erleben müssen, sagte er. Geradezu südländisch sei das Flair gewesen, das diese Menschen verbreitet hätten.

Kuhns Narrativ wird vielfach von Anderen bestätigt. „Junge Menschen“ hätten den öffentlichen Raum erobert, wird berichtet, nachdem aufgrund der Corona-Gefahr immer mehr Einschränkungen wirksam geworden seien, unter anderem die Schließung der Clubs, in denen normalerweise die Mehrheit einer größtenteils apolitischen, vergnügungs- und konsumorientierten Jugend ihre Feier-Zeit verbrachte. Dass dabei schon immer Alkohol und Drogen im Spiel gewesen sind, ist ein offenes Geheimnis.

Und da kamen einige fleißige Polizisten auf die Idee, mal nach dem Rechten zu sehen…? Keine gute Idee. Sie hätten ebenso gut nach Mallorca reisen können, um zu kontrollieren, wer dort, nur um wieder einmal völlig enthemmt abzufeiern, schon wieder Alkohol und Drogen konsumiert. Aber Mallorca geht ja nicht, nachdem die Flieger weitgehend noch immer am Boden herumstehen, statt tausende deutscher Normalos nach Ibiza und Malle zu karren, damit sie dort die Sau rauslassen können.

Wer „die Party- und Eventszene“ an den Pranger stellt, sollte sich klar machen, dass er damit niemand geringeren beschuldigt, als eben diejenigen, von der eine ganze Tourismus- und Freizeitindustrie lebt. Verbraucher sind auf Spaß getrimmt und dazu brauchen sie nun mal ihre Lieblingsdrogen. Ohne die geht gar nichts. Und da kommt eine dienstbeflissene Polizeistreife auf die Idee, mal ordentlich nach dem Rechten zu sehen und dazwischen zu funken? – Schlechte Idee, wie gesagt. Das Ergebnis lässt sich mit verwunderten Augen bestaunen – und natürlich auch die ach so bösen Täter: Nun stellt sich heraus, dass die vermeintlich „Kriminellen“ nichts anderes sind, als Jugendliche, die gerne abhängen und feiern und die in diesen Coronazeiten finden, sie hätten sowieso nichts zu lachen. Das macht eben ein wenig aggressiv. Insofern sind die Jungen nicht anders als ihre Eltern, die nunmehr schon seit Jahrzehnten nach Mallorca reisen, um sich dort gehen zu lassen. Die Jungen wollen sich das Feiern partout ebenso wenig nehmen lassen, wie ihre Eltern. – Ich glaube, mehr ist dazu nicht zu sagen.

… Ach ja, und was die Bild-Zeitung anbelangt: die ist nicht in der Lage, auch nur ansatzweise zu begreifen, was sich auf Stuttgarts Straßen ereignet hat. Darum geht es ihr vermutlich auch gar, denn die Bild-Zeitung ist ein Blatt, was vor allem Meinungen prägen will, statt Informationen zu verbreiten. Hauptsache sie kann wieder einmal hetzen und Zwietracht säen, indem sie behauptet Dinge gehört zu haben, die sonst niemand gehört hat.

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8 Kommentare

  1. Meine Enkeltochter war mit ihrem Freund in dieser Nacht auf der Königstraße unterwegs, sie wollten zur U-Bahn Haltestelle um heimzufahren. Nach ihrem Augenzeugenbericht ging der Krawall von der neuerdings im Schloßgarten etablierten Drogenszene aus. Es hatte keinen politischen oder rassistischen Hintergrund, sondern sollte wohl dazu dienen, möglichst großen Schaden anzurichten und möglichst viele Menschen zu verletzten. Laut meiner Enkeltochter waren vereinzelte Rufe zu hören „tötet die Deutschen“

    • Wer „die Party- und Eventszene“ an den Pranger stellt, sollte sich klar machen, dass er damit niemand geringeren beschuldigt, als die Jugend die auf Spaß getrimmt ist, und so ihren Frust über all das was sie gängelt und unterdrückt verarbeitet. Da ist dann, dank Bild&Co auch schnell ein Feindbild gefunden und die Polizisten verhalten sich überwiegend „deutsch“.
      Es hat also eindeutig einen politischen Hintergrund!

  2. LHA HA HA „Niemand konnte es ahnen.“

    DAS ist das Ergebnis der jahrelangen ideologiegetriebene Lügen…
    Und daran ist und wird das System der BRD zusammenbrechen. Denn wenn man die Realität an seine Ideologie mit Lügen und der Totalverweigerung einer Problemanalyse anpassen muss, wird es so enden, wie die DDR geendet ist.
    Aus der Geschichte lernen…
    Nur dieses Ende wird von keinem reicheren deutschsprachigem, kulturidentischem System aufgefangen.
    Dieses ENDE eines Systems wird in einer Art Sklaverei der „schon länger hier seienden“ (M. Houellenbecq „Unterwerfung“), im jeden Fall aber im relativem Elend der Durchschnittsbevölkerung enden, die sich nicht in Grossfamilien organisieren kann… DAS wird zum Beispiel sehr deutlich bei den linkspopulistisch-olivgrünen Überlegungen zum „BEDINGUNGSLOSEN GRUNDEINKOMMEN“ (worüber am Sonntag der DLF schwadronierte; selbstverständlich mit eindeutiger HALTUNGSJOURNAILLENHALTUNG!) mit 1.000,00€ für JEDE Person im Staat. DAS lässt man sich nochmal auf der Zunge und dem Kontoauszug einer Göttinger Grossfamilie zergehen…
    JEDE Person… egal in welchem Alter und egal ob einer existenziellen Notwendigkeit… eben „bedingungslos“!
    Bei acht Kindern und sechs Erwachsenen – was nahezu in einer (DIESER) Familien als personelle Grundausstattung gilt, sind das 16.000,00€ im Monat! Da ist ganz schnell das gesellschaftliche Eigentum (Geschäfte, Immobilien ecetera…) umverteilt.
    Wenn DAS kommt – und die linksgrüne Koalition steht sehr dicht an der politischen Machtübernahme (die kulturelle und mediale Hegemonie haben die ja schon ein paar Jahre) – dann macht EUCH frisch ihr putzigen abendländischen Singlehaushalte…

  3. Wer den Imperialismus bekämpfen will und dazu zählen die Auswüchse der Spaßgesellschaft, die mit den Drogen und Alkohol sehr nützlich für den Erhalt des Kapitalismus sind, der muss sich nicht wundern, wenn die Jugend aus den Gleisen gerät. Schon die Hippy-Bewegung in den 70er Jahren verstand es mit Maria Juana und Lucy in the sky und sex and drugs and rock’n roll den Klassenkampf zu sabotieren. Das führte zu der no future Bewegung. Erstaunlich ist, dass heute die Jugend mit Greta zur Fridays for Future Bewegung global auf die Zerstörung des Planeten durch den Kapitalismus reagiert und sehr wohl system change auf ihre Fahne geschrieben hat. Dagegen wird umarmt und ein Klima-Kabinett eingerichtet in der Hoffnung der Green Deal möge nicht als Energiewende rückwärts erkannt werden. Billionen Euros sollen den Ökoschwindel vertuschen und die Jugend gekauft werden. Doch Greta segelte über den Atlantik hin und zurück und heute werden die Flieger geparkt und nix mehr für 9,99 € nach Mallorze zum Sangria Saufen. Die Corona-Air war global der wüsteste Verbreiter der Seuche. So will Lufthansa Staatsknete um weiter den Jet Set zu belustigen. Die Sauf- und Drogen Szene in den Stadtparks republikweit hat Hochkonjunktur. Das führte so weit, dass im Stadtpark von Chemnitz Stalins Geburtstag gefeiert wurde von solchen Anhängern des Wolfgang Eggers wie dieser Konrad Klinger, der an Tankstellen Benzin klaut, die Kassiererin bedroht und sich frech herausredet, bei Kritik Morddrohungen verteilt. Es zeigt,wohin auch die Rote Garde geraten ist und vom Imperialismus verseucht ist. Statt Verständnis für die arme verlotterte Jugend aufzubringen wie obiger Leserbriefschreiber es tut, sollte er mal dieses bedenken.

  4. Nee Drogen geht schonmal gar nicht.

    Werden die Täter jetzt Partyszene genannt , das dürfte wohl dort zu sich gehen wie in Gelsenkirchen oder in Köln auf dem Ebertplatz die Partyszene

    Wen Partys und Drogenkonsum das wichtigste ist im Leben?

    Im Netzt sind genug Filme der Randalierer zu sehen da kann man sich selbst ein Bild machen.

    • Als Revolutionäre stellen wir die die Rebellion der Jugendlichen in den Vordergrund, sie ist eine Reaktion auf die miesen gesellschaftlichen Verhältnisse in Kapitalismus. Und weil sie nicht so verlief, wie der Staat der Repressionen sich das wünscht, müssen wir nicht seine Positionen einnehmen.

      Wir sind verpflichtet die Ursachen zu erkennen und diese zu bekämpfen und nicht wie die Bild-Zeitung über die auswirkungen zu lamentieren.

      Und Andre, warum gehen Drogen gar nicht? Du rauchst doch auch und trinkst Alkohol. Die jungen Menschen die jetzt rebellierten müssen sicherlich noch lernen mit Drogen verantwortungsvoll um zu gehen aber verstehen kann ich sie gut wenn sie ihre Situation ohne berufliche Perspektive und mit kriminellen Industriellen, Banker und Politiker als Vorbild mit solchen Partys verarbeiten. Denke bitte an die lebenslange konsumorientierte Erziehung, an das antisolidarische Notensystem und und und… Also ich wundere mich da nicht!

  5. Ich wohne in einer Kneipenstraße, da sitzen in den Bars und Lokalen keine Jugendliche, dass können sie sich nicht leisten! Da sitzen gut situierte Menschen ab 45 Jahren.

    • Deshalb machen sie ja öffentlich Party. Incl. Vorglühen. In den Kneipen arbeiten auch keine Eventmanager die genau wissen wie man jungen Menschen das Geld aus der Tasche zieht. Ein Event zu besuchen dient nich dazu zu Essen oder teuer zu trinken… da gehts ums gesehen werden, um sehen, um die Erfüllung der Erwartungshaltungen usw. Das hat mit deinen Staßenkneipen und Restaurants nichts zu tun.

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