Der 106-te Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution

Redaktion – 4. November 2023

Mit der Erinnerung an den 106. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution, angeführt von Lenin, Stalin und vielen anderen großen Führern der Bolschewiki, möchte die Redaktion Roter Morgen die Aktualität und Gültigkeit des Marxismus-Leninismus für die Arbeiterklasse und die Völker der Welt betonen und unter Beweis stellen.

Die Erinnerung an die Große Oktoberrevolution ist auch eine erneute Kampfansage an alle pseudomarxistischen Theorien, reformistischen und revisionistischen Experimenten wie dem Anarchismus, der Sozialdemokratie, dem Eurokommunismus, dem Trotzkismus, dem Utopismus, dem Maoismus u. a. Sie alle versuchen in der Arbeiterklasse und den fortschrittlichen Schichten Fuß zu fassen. Viele von den vertretenen Theorien, die von der Bourgeoisie und ihrer Armee “kritischer Intellektueller“ ins Leben gerufen wurden, sind nichts mehr als Flickenteppiche aus alten Ideen, die sich als neue verkleiden und die am Schluss immer der Reaktion dienen. Es sind diese neuen Philosophen, die nichts Neues entdecken, diese Theoretiker und Schwätzer, die das Theoretisieren statt des Klassenkampfes im Betrieb und auf der Straße in den Mittelpunkt stellen. Ihre „Weisheiten“ dienen nicht dazu, Schlussfolgerungen zu ziehen, sondern zu lamentieren mit dem Ziel, vorgefasste Schlüsse zu erklären. Es sind diejenigen, die sagen, der Marxismus sei überholt, der Leninismus widerspreche dem Marxismus, Stalin sei kein Klassiker des Marxismus-Leninismus, Luxemburg hasste Lenin usw. Sie schütteln sich Theorien aus dem Ärmel, die so abartig und gegen den Marxismus-Leninismus gerichtet sind, daß man glauben könnte, sich in einer Comedy-Sendung zu befinden. In den letzten Jahrzehnten traten in Deutschland besonders die MLPD mit ihrem kruden Vor“denker“ Stefan Engel, die Freunde des chinesischen Revisionismus und der Juche-Ideologie, die Unterscheider zwischen schlechtem und gutem Kapitalismus (z.B. USA/Russland), sowie ein größenwahnsinniger Möchtegernrevolutionär namens Stephan Steins auf dieser Bühne auf. Die Partei »Die Linke» und die obskure Wagenknechtgruppe haben sogar den Begriff Sozialismus aus ihren Programmen gestrichen und stehen als Arzt am Krankenbett des Kapitalismus für eine Ausbeutung mit menschlichem Antlitz.

Für uns ist der Marxismus, die Schriften Marx und Engels zusammen mit den großen und genialen Beiträgen von Lenin, brandaktuell. Denn von seiner korrekten Anwendung hängen der Fortschritt der proletarischen, revolutionären Massen, ihre Verwurzelung unter den Werktätigen, der Impuls des lebenswichtigen Kampfes zum Sturz und zur Vernichtung des Kapitalismus und zur Errichtung des Sozialismus ab.

“Der Marxismus-Leninismus ist die Wissenschaft von den Gesetzen der Natur und der Gesellschaft zur Revolution der ausgebeuteten Massen. (…) Er ist die Ideologie der Arbeiterklasse und ihrer kommunistischen Partei. Er ist eine lebendige Wissenschaft, eine Wissenschaft in Bewegung. Er ist in den Händen der Kommunisten kein Katechismus oder Dogma und wird es niemals sein. Er ist ein Wegweiser für die Aktion und die dialektische Analyse“ unterstrich Lenin. …Und weiter “Ohne revolutionäre Theorie kann es keine revolutionäre Bewegung geben.” (…) „Dem russischen Proletariat ist die große Ehre zuteilgeworden, anzufangen, aber es darf nicht vergessen, dass seine Bewegung und seine Revolution nur ein Teil der weltweiten revolutionären proletarischen Bewegung sind.“.

Der Beginn der Oktoberrevolution in Nischni Nowgorod auf dem Verkündigungsplatz

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Ein wenig Geschichte

Russland, im Jahr 1917. Man schreibt den 3. April nach dem alten russischen Kalender. Es liegt an diesem Tag eine besondere Spannung über der Hauptstadt Petrograd. Arbeiter sammeln sich in den Straßen, Soldaten und Matrosen. Sie formieren sich zu Demonstrationszügen. Zum finnischen Bahnhof hin bewegen sich die Kolonnen. Aus allen Richtungen kommen sie, und auf dem Vorplatz des Bahnhofs wogt eine immer größere Menge.

Rote Fahnen wehen über den Köpfen der Massen. Transparente sind aufgezogen, und sie geben Aufschluss darüber, wer hier erwartet wird: „Wir grüßen Lenin!“ Ihn willkommen zu heißen, sind die Werktätigen, die revolutionären Soldaten der Hauptstadt zum Bahnhof geeilt, Ihn, den Führer der Bolschewiki, dieser einzigen Partei, die laut ihre Stimme erhoben hat gegen den imperialistischen Raubkrieg. Ihn, der jetzt nach langen Jahren der Emigration in die Heimat zurückkehrt.

Der Krieg, den die Bankherren, die Kohle- und Stahlbarone führen, um ihre Macht zu erweitern, um neue Fabriken und Schächte, Kolonien und Märkte für ihre Waren zu erobern, dieser Krieg ist an jenem Apriltag noch nicht beendet. Russlands ist ausgeblutet. Die Heere des deutschen Kaisers halten die westlichen Gebiete des Landes besetzt. Aber immer noch jagen die russischen Generäle die Soldaten Welle um Welle an die Fronten, sterben täglich Tausende unter dem Gewehr- und Granatenfeuer in den Schützengräben. Wer gibt denn diesen Generälen die Befehle? Hat es nicht eine Revolution gegeben im Februar? Haben sich nicht Arbeiter, Bauern und Soldaten mit der Waffe in der Hand erhoben und der Selbstherrschaft des Zaren ein Ende bereitet?

Ja, die Zarenherrschaft war gestürzt. In den Kämpfen der Februarrevolution, an deren Spitze die bolschewistische Partei stand, hatten sich die Massen ihre eigenen Organe geschaffen: die Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten. Aber dennoch waren es nicht diese Sowjets, in deren Händen die Staatsgeschäfte lagen. Es gab eine sogenannte Provisorische Regierung, und an der Spitze stand der berüchtigte Grundbesitzer Lwow. Wie war das zu erklären? Die Volksmassen hatten das alte Regime niedergeworfen. Aber an der Spitze ihrer Vertretungsorgane, an der Spitze der Sowjets, der Bauernkomitees usw. standen Verräter. Das waren die Menschewiki, die russischen Sozialdemokraten, Paktierer mit der Bourgeoisie vom gleichen Schlage wie in Deutschland die Ebert, Noske, Scheidemann. Das waren die Sozialrevolutionäre, die sich als Vertreter der Bauern ausgaben, tatsächlich aber nur im Interesse der reichen Bauern handelten. Diese Verräter legten die Macht in die Hände der Bourgeoisie und ihrer Provisorischen Regierung und versuchten die Massen auf den Weg der bürgerlichen Demokratie zu locken.

Petrograder Arbeiter forderten Brot und Frieden

Aber so einfach war das nicht für die Herren Paktierer. Noch bestanden die Sowjets, und die in ihnen zusammengeschlossenen Arbeiter, Bauern und Soldaten trugen noch die Waffen der siegreichen Februarrevolution. So bestanden in Russland nebeneinander zwei Gewalten, zwei Machtorgane:  die bürgerliche ‘Provisorische Regierung zur Rettung der Revolution‘ und der Sowjet der Arbeiter- und Soldatendeputierten. Es war eine Doppelherrschaft entstanden. Aber wie Lenin sagte: „Zwei Staatsgewalten können in einem Staate nicht bestehen.“ Im Brennpunkt der Revolution stand so in den Apriltagen, als Lenin aus der Emigration zurückkehrte, die Frage: Wird die Bourgeoisie alle Macht an sich reißen oder geht die ganze Macht an die Sowjets über? Wie die Menschewiki diese Frage beantworten würden, das wurde immer deutlicher. An jenem 3. April, als Lenin am Finnischen Bahnhof ankam, war auch einer ihrer Führer, Tscheidse, zur Begrüßung erschienen. In wohlgesetzten Worten wandte er sich an Lenin und forderte die Unterstützung der Bolschewiki für die menschewistische Paktiererpolitik. Aber Lenin beachtete ihn nicht. Er ging an ihm vorbei, und als er draußen auf der Treppe vor dem Bahnhof erschien, empfing ihn ein tausendstimmiges Hurra. Hier, vor den revolutionären Massen der Hauptstadt, auf einem Panzerauto stehend, gab Lenin die Antwort der Bolschewiki; zeigte er in klaren und flammenden Worten die Perspektive: die sozialistische Revolution.
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„Alle Macht den Sowjets“

Einen Tag später erläuterte Lenin in einer Versammlung der Bolschewiki seine berühmten Aprilthesen. „Die Staatsmacht“, sagte er, „ist in Russland in die Hände einer neuen Klasse übergegangen, und zwar in die der Bourgeoisie und der verbürgerlichten Gutsbesitzer. Insofern ist die bürgerlich-demokratische Revolution in Russland abgeschlossen.“ „Die Eigenart der gegenwärtigen Lage besteht im Übergang von der ersten Etappe der Revolution, die infolge des ungenügend entwickelten Klassenbewusstseins und der ungenügenden Organisiertheit des Proletariats der Bourgeoisie die Macht gab, zur zweiten Etappe der Revolution, die die Macht in die Hände des Proletariats und der ärmsten Schichten der Bauernschaft legen muss.“ Und diese Macht, die Diktatur des Proletariats, konnte nur die Form einer Republik der Sowjets der Arbeiter- und Bauerndeputierten haben. Die Sowjets als wirkliche Organe der Arbeiter und Bauern, das war natürlich unvereinbar mit der Herrschaft der Paktierer in ihren Führungen. So wies Lenin der bolschewistischen Partei die Aufgabe, einen zähen und unermüdlichen Aufklärungskampf zur Isolierung dieser Elemente zu führen, die Werktätigen anhand ihrer eigenen Erfahrungen geduldig davon zu überzeugen, dass die Herren Menschewiki und Sozialrevolutionäre trotz all ihrer radikalen Worte nichts anderes waren als Vertreter der bürgerlichen Ausbeuterordnung. Was war es denn, wonach sich die Massen sehnten, was sie immer lauter und entschiedener forderten in diesen Tagen des Völkermordens, des Hungers, der bäuerlichen Fron auf den Dörfern?

Frieden, Brot, Boden – das waren die Forderungen der Massen. Dafür kämpften auch die Bolschewiki. Und nichts von alledem hatte die Provisorische Regierung in Petrograd dem Volk gebracht. Im Gegenteil: Am 18. April erklärte der Außenminister Miljukow in einer Geheimnote an die Alliierten den Willen seiner Regierung, „den Weltkrieg bis zum entscheidenden Sieg weiterzuführen.“ Aber die Note wird bekannt. Die Empörung der Massen schwillt an. Der Krieg soll weitergehen? Die Partei der Bolschewiki ruft die Werktätigen der Hauptstadt zur Kampfdemonstration heraus. 100 000 marschieren unter den Losungen „Nieder mit dem Krieg!“, „Die Geheimverträge veröffentlichen!“ und „Alle Macht den Sowjets!“ Unter dem Druck der Massen muss der Außenminister zurücktreten. Die Krise der Provisorischen Regierung ist offensichtlich.

Da eilen die Paktierer zur Hilfe. Menschewiki und Sozialrevolutionäre treten in die Regierung ein, darunter Kerenski, der wenig später an die Spitze des Kabinetts tritt. Damit besiegeln sie ihren vollständigen Übergang ins Lager des Klassenfeindes, ins Lager der Bourgeoisie. Sie werfen sich in die Bresche, werfen sich dem Ansturm der Massen entgegen. Aber sie können ihn nicht aufhalten. An der Spitze dieses Sturms steht die Partei Lenins, diese Partei, die sich in jahrzehntelangen Kämpfen gestählt hat, die von einem einheitlichen revolutionären Willen durchdrungen ist. „Alle Macht den Sowjets“ – das ist die klare Losung, die die Bolschewiki den Verrätern im Ministerrang entgegenstellen. „Alle Macht den Sowjets“ – diese einfachen Worte sind in den Herzen und Hirnen von Millionen verankert. Sie stehen auf den Wänden der Fabriken geschrieben, sie verbreiten sich wie ein Lauffeuer durch die Schützengräben der Front, sie durchdringen das Land bis ins letzte sibirische Dorf.
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Der weiße Terror

18. Juni. 400 000 auf den Straßen Petrograds, Arbeiter, Soldaten, Matrosen. Die Paktierer wollen sich an die Spitze stellen, den Aufmarsch zu einer Unterstützung ihrer Verräterpolitik machen. Noch haben sie ja, die Mehrheit in den Sowjets. Aber die Massen marschieren unter bolschewistischen Parolen. Sie rufen: „Nieder mit den 10 kapitalistischen Ministern!“ Und immer wieder: „Alle Macht den Sowjets!“ In diesen Tagen sprechen sich von den Delegierten der Petrograder Betriebsrätekonferenz drei Viertel für die Bolschewiki aus.

Das sind Alarmzeichen für die Bourgeoisie, dass lässt ihre menschewistischen und sozialrevolutionären Minister erzittern. Das Blatt beginnt sich zu wenden. Die Werktätigen lösen sich aus dem Einfluss der Paktierer. Die Bolschewiki verstärken ihre revolutionäre Arbeit an der Front, in den Betrieben, auf dem Land. Immer deutlicher wenden sich die Arbeiter, Bauern und Soldaten den Kommunisten zu. Am 3. Juli sind es 500 000, die in der Hauptstadt auf die Straße gehen. Da lassen sie die Maske fallen, die Herren „sozialistischen“ Minister. Jetzt sprechen sie eine offene Sprache, die Sprache des nackten weißen Terrors. Sie lassen Truppen aufmarschieren. Maschinengewehre richten sich auf die Menge. Über hundert Demonstranten fallen unter den Kugeln der Reaktion.

Und der weiße Terror wütet weiter. Jetzt wollen sie den Kopf der revolutionären Bewegung, die bolschewistische Partei, vernichten. Massenverhaftungen, Verbot der Zeitungen, Versuche, die Roten Garden zu entwaffnen. Am 7. Juli Haftbefehl gegen Lenin.

Aber sie können die Partei nicht zerschlagen. Geordnet, diszipliniert geht sie in die Illegalität. Lenin wird dem Zugriff der Reaktion entzogen. Tausende von Spitzeln und Agenten laufen sich die Sohlen ab, aber sie finden nicht die geringste Spur von ihm. Die Bolschewiki haben gut gearbeitet. Auch in der tiefen Illegalität sind sie mit den Massen verbunden. Nicht nur in den Betrieben und auf dem Land, auch in den Garnisonen und an der Front haben sie Zellen aufgebaut, haben sie die Fortgeschrittensten in ihre Reihen aufgenommen, arbeiten unermüdlich ihre Agitatoren, um die Massen für die sozialistische Revolution zu gewinnen.

Und in diesen Tagen, während der Angriffe der Reaktion, tritt an einem geheimen Ort in Petrograd der VI. Parteitag zusammen. Stalin gibt, von Lenin, der sich an einem anderen Ort verborgen hält, beauftragt, den Bericht. Er analysiert die Lage und weist den notwendigen Weg: Die friedliche Periode der Revolution, die Zeit der Doppelherrschaft ist vorbei. Jetzt muss Kurs genommen werden auf den bewaffneten Aufstand. Der Parteitag verabschiedet ein Manifest, das sich an die Massen richtet und mit folgenden Worten schließt: „Rüstet euch zu neuen Schlachten, Kampfgenossen! Sammelt Kräfte, standhaft, mutig, ruhig, ohne euch provozieren zu lassen. Schließt euch zu Kampfkolonnen zusammen! Unter das Banner der Partei, Proletarier und Soldaten! Unter unser Banner Unterdrückte des Dorfes!“

Nein, sie haben diese Partei nicht zerschlagen, sie haben den Ansturm der Massen nicht aufhalten können. Was die Provisorische Regierung mitsamt ihren „sozialistischen“ Ministern nicht vermochte, das soll jetzt nach dem Willen der Bourgeoisie der General Kornilow erledigen. Er wirft seine Truppen gegen Petrograd, will diese jämmerliche Regierung wegfegen und eine Militärdiktatur über Russland errichten. Aber aus der Illegalität heraus organisiert die bolschewistische Partei den Widerstand gegen Kornilow, ruft sie zum bewaffneten Kampf gegen diesen Putsch der äußersten Reaktion auf. Unter ihrer Führung werden die Roten Garden, die bewaffneten Formationen der Fabrikarbeiter, verstärkt, wird Petrograd mit Barrikaden, Stacheldrahtverhauen und Schützengräben befestigt. Die Eisenbahner verweigern den Transport der Putschisten. Ganze Regimenter gehen zu den Bolschewiki über. Der Putsch wird niedergeschlagen.

Lenin ruft im Smolny-Institut den Kommunismus aus: Bild des Malers Vladimir Alexandrovich Serov (1910-1968).

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Kurs auf den Aufstand

Dieser große Sieg zeigt, wie sehr sich das Kräfteverhältnis schon zu Gunsten der Revolution geändert hat. Er stärkt noch mehr den Einfluss der Bolschewiki und trägt weiter zur Isolierung der Paktierer bei. Im August und September gehen die Sowjets, einer nach dem anderen, unter den ersten die von Petrograd und Moskau, zu den Bolschewiki über. Am 7. Oktober kehrt Lenin in die Hauptstadt zurück. Drei Tage später; die historische Sitzung des Zentralkomitees. Lenin erklärt, dass „der bewaffnete Aufstand unumgänglich und völlig herangereift ist.“

Wie ist die Lage in Russland? Das riesige Reich zerfällt. Der Westen steht unter der Besatzung der deutschen Truppen. Im Osten rufen die kosakischen Grundherren die Kosakenrepublik aus. In der Ukraine betreiben die reaktionären Nationalisten einen Sonderfrieden mit Deutschland. Und auch die russische Bourgeoisie ist bereit, sich in die Arme der ausländischen Imperialisten zu werfen, um ihren Untergang in der Revolution zu entgehen. Der Monopolkapitalist Lianosow erklärt: „Die Revolution ist eine Krankheit. Früher oder später werden fremde Mächte eingreifen müssen, gerade so, wie man eingreifen muss, um ein krankes Kind zu heilen.“

An der Front kommt es immer häufiger zu Zusammenstößen zwischen den Soldaten und den Offizieren. Zu Tausenden verlassen die Soldaten die Schützengräben und ziehen mit ihren Waffen in ihre Dörfer und Städte zurück. Im ganzen Land ist das Elend unerträglich geworden. Die Menschen leiden Hunger, die ohnehin kläglichen Brotrationen reichen nicht mehr hin. Aber immer wieder entdecken die Roten Garden riesige Lager von Lebensmitteln, die von Kapitalisten und Spekulanten gehortet wurden. Die russischen Dörfer sind vom offenen Aufruhr erfasst. Die Bauern stürmen die Höfe der Gutsherren, erschlagen ihre Peiniger, nehmen das Land in ihren Besitz.

Und die Regierung der Menschewiki und Sozialrevolutionäre, diese Regierung, die nicht in der Lage war, den Kornilow-Putsch abzuwehren, sie schickt Kosakentruppen gegen die Bauern, lässt an den Fronten revolutionäre Soldaten erschießen, versucht in den Städten, die Roten Garden zu entwaffnen.

Das ist die Lage im Oktober. Das Zentralkomitee beschließt den Aufstand. Aber auch innerhalb der Partei, ja im Zentralkomitee selbst gibt es Kräfte, die dagegen arbeiten, Kamenew und Sinowjew, zwei Anhänger Trotzkis, treten offen gegen den Aufstand auf, während Trotzki selbst darauf hinarbeitet, den Termin so lange wie möglich hinauszuschieben. Die überwältigende Mehrheit der Bolschewiki jedoch steht in diesen historischen Tagen fest hinter Lenin und Stalin. Beim Petrograder Sowjet wird ein revolutionäres Militärkomitee gebildet als legaler Stab des Aufstands. Zum leitenden Kern des Aufstands wird ein Parteizentrum bestimmt, an dessen Spitze Josef Stalin steht.

Instrukteure werden vom Zentralkomitee ins ganze Land geschickt, um den örtlichen Komitees die notwendigen Anweisungen zu geben. In Petrograd treffen die ersten Delegierten des II. Sowjetkongresses ein, der seine Beratungen in diesen Tagen beginnen soll. Die Kräfte sind aufgestellt, alles ist vorbereitet. Über der Hauptstadt, über dem ganzen Land liegt eine Atmosphäre höchster Gespanntheit. Die Massen warten auf das Wort der Partei. Da enthüllen die Verräter Sinowjew und Kamenew den ZK-Beschluss in einer menschewistischen Zeitung und der Verräter Trotzki gibt wenig später sogar den Termin bekannt. Die Konterrevolution ist gewarnt. In aller Eile zieht Kerenski Truppen von der Front ab nach Petrograd. In den Straßen werden die Patrouillen verstärkt. Der Plan der Regierung: das Smolny-Institut, Sitz des revolutionären Stabes und der Partei, Tagungsort des II. Sowjetkongresses, zu umstellen, die Partei und den Stab zu zerschlagen.
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Der Aufstand beginnt

Aber auch die Partei trifft ihre Vorbereitungen: Kommissare werden in die revolutionären Truppenteile geschickt, die Roten Garden mobilisiert. Ein neuer früherer Termin wird festgelegt: einen Tag vor der Eröffnung des Sowjetkongresses. In den Morgenstunden des 24. Oktober rollen die Panzerwagen der Provisorischen Regierung durch die Straßen Petrograds, gegen das Gebäude des bolschewistischen Zentralorgans, des „Rabotschi Putj“. Stalin gibt den Einsatzbefehl für Einheiten der Roten Garden und revolutionäre Soldaten. Der Angriff wird zurückgeschlagen. Um 11 Uhr erscheint „Rabotschi Putj“ mit dem Aufruf zum Sturz der Provisorischen Regierung. Der Aufstand beginnt.

Lenin kommt in den Smolny, um die Leitung des Aufstands selbst in die Hand zu nehmen. Die Aufteilung der Roten Garden, der revolutionären Truppenteile wird vorgenommen, der Winterpalast, in dem sich die Provisorische Regierung verschanzt hat, umstellt. Am 25. Oktober werden die Bahnhöfe, Banken und öffentlichen Ämter von den Revolutionären besetzt. Im Hafen richtet der Panzerkreuzer „Aurora“, der in der Hand der roten Matrosen ist, seine Geschütze auf den Winterpalast. Der Sturm auf die letzte Festung der bürgerlichen Regierung beginnt. Hier haben sich die Herren Minister verkrochen, in diesem riesigen Gebäude mit seinen über tausend Räumen, geschützt von Sturmbataillonen und Offiziersschülern. Stunden um Stunden tobt der Kampf. Mann gegen Mann ringen die bewaffneten Arbeiter, die roten Soldaten und Matrosen die Offiziere nieder. Um zwei Uhr, in der Nacht vom 25. auf den 26. Oktober sind alle Minister verhaftet. Kerenski entkommt getarnt als Rotkreuzkrankenschwester.

Stunden zuvor, während noch die Kämpfe um den Winterpalast toben, ist im Smolny der II. allrussische Sowjetkongress eröffnet worden. Die Bolschewiki haben die überwältigende Mehrheit. Aus allen Landesteilen sind sie gekommen, die Delegierten der Arbeiter, der Soldaten und der Dorfarmut. Jetzt grüßen sie mit donnerndem Hurra den siegreichen Aufstand, grüßen sie die Bolschewistische Partei als die Organisatorin des Sieges. Ein Aufruf wird verabschiedet, in dem es heißt: „Gestützt auf den Willen der gewaltigen Mehrheit der Arbeiter, Soldaten und Bauern, gestützt auf den in Petrograd vollzogenen siegreichen Aufstand der Arbeiter und der Garnison, nimmt der Kongress die Macht in seine Hände.“

Der Kongress verabschiedet das Dekret über den Frieden, in dem die kriegführenden Länder zum Waffenstillstand aufgefordert werden und der an die Arbeiter dieser Länder den Appell richtet, die Sache des Friedens und der Befreiung von jeder Ausbeutung zu Ende zu führen. Der Kongress nimmt das Dekret über den Grund und Boden an, in dem das Eigentum der Gutsbesitzer an Grund und Boden unverzüglich ohne Entschädigung aufgehoben wird. Schließlich bildet der Kongress die erste Sowjetregierung, den Rat der Volkskommissare. Zum Vorsitzenden des Rats wird gewählt: Wladimir Iljitsch Lenin.

Genosse Stalin spricht auf der illegal abgehaltenen 6. allrussischen Parteikonferenz der Bolschewiki im Juli/August 1917

Die proletarische Diktatur

Der historische Sowjetkongress ist beendet. Über Petrograd, dass später den Namen Lenins tragen wird, weht die rote Fahne der Arbeiterklasse. Nach Tagen des erbitterten Kampfes siegt die Revolution auch in Moskau. Die Sowjetmacht breitet sich über das Land aus. Zum ersten Mal seit den Tagen der Pariser Kommune anno 1871 hatte das Proletariat im bewaffneten Kampf die Bourgeoisie niedergeschlagen, hatte es seine eigene Macht, die Diktatur des Proletariats errichtet. Lenin kennzeichnete das Wesen dieses Staates: Er „muss eine Demokratie für die Ausgebeuteten und Unterdrückung der Ausbeuter sein, die Unterdrückung einer Klasse bedeutet aber, das diese Klasse nicht gleichberechtigt ist, dass sie aus der ‚Demokratie‘ ausgeschaltet wird.“ Damit stellte Lenin heraus, dass mit dem Sieg der Oktoberrevolution die gestürzten Ausbeuter nicht mit einem Schlag, wie es sich die Anarchisten vorstellen, vernichtet waren. „Der Übergang vom Kapitalismus zum Kommunismus“, sagte er, „umfasst eine ganze geschichtliche Epoche. Solange sie nicht abgeschlossen ist, behalten die Ausbeuter unvermeidlich die Hoffnung auf eine Restauration und diese Hoffnung verwandelt sich in Versuche der Restauration.“

Eben deshalb musste der Staat der proletarischen Diktatur, der den Werktätigen die breiteste Demokratie gewährt, die alten Ausbeuter und alle diejenigen, die den Sturz der Arbeitermacht betrieben, gewaltsam unterdrücken. Schon Marx hatte aus der bürgerlichen Revolution 1848 die Schlussfolgerung gezogen, dass jeder provisorische Zustand einer energischen Diktatur bedarf – und genau das hatten die Bolschewiki zu praktizieren. Das zeigte sich schon in den ersten Wochen nach der siegreichen Oktoberrevolution. Die Bourgeoisie fand sich nicht ab mit ihrer Niederlage. Kerenski sammelt neue Truppen, um sie gegen das proletarische Petrograd zu führen. Und das ist erst der Anfang. Drei Jahre lang währt das Ringen der jungen Sowjetmacht mit den Kräften der alten Gesellschaft, drei Jahre, in denen unter dem Kommando Lenins und Stalins die Rote Armee die gewaltigen Heere der konterrevolutionären Generäle Koltschak, Krasnow, Denikin usw. zerschlug. Drei Jahre, in denen nicht weniger als 14 Länder, an der Spitze die imperialistischen Großmächte USA, England und Frankreich auf Seiten der weißen Generäle in den Kampf eingriffen, Waffen lieferten und Truppen gegen die Sowjetmacht schickten.

Die Revolution siegte, die Feinde wurden niedergeschlagen, weil an der Spitze des kampferprobten Proletariats die Partei der Bolschewiki stand, die erste Partei neuen Typs, gewappnet mit der Theorie des Marxismus-Leninismus, dem Proletariat grenzenlos ergeben. Nur mit einer solchen Partei, die in den eigenen Reihen jedes Schwanken, jeden Opportunismus entschlossen bekämpft, sich auf keinen Kompromiss mit ihm einlässt, nur mit einer solchen Partei an der Spitze kann das Proletariat siegreich zur Revolution schreiten. Das ist eine wichtige Lehre der Oktoberrevolution. Weiter beweist die Oktoberrevolution, dass die Zerschlagung der bürgerlichen Staatsmaschinerie durch die gewaltsame Revolution und die Errichtung der Diktatur des Proletariats, der Kern der marxistischen Lehre vom Staat und das allgemeingültige Gesetz der proletarischen Revolution ist.
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Der Weg der Oktoberrevolution der einzige Weg zum Sozialismus

Die Geschützsalven der „Aurora“, das Zeichen zum Sturm auf den Winterpalast waren nicht nur der Auftakt zu gewaltigen Veränderungen in Russland. Sie erschütterten die ganze alte Welt. Den Proletariern in den Schützengräben des imperialistischen Weltkriegs, in den Fabriken und Schächten gab der Sieg ihrer russischen Klassenbrüder ein leuchtendes Vorbild und verstärkte ihren Kampfesmut. Ernst Thälmann, der Führer der Kommunistischen Partei Deutschlands, sagte später, dass dieser Sieg den Arbeitern zeigte, „dass es keinen anderen Weg zur Befreiung der Arbeiterklasse, zur Verwirklichung des Sozialismus, gibt als den Weg der proletarischen Revolution unter Führung der Kommunistischen Partei, den Weg, der am 7. November zu dem ersten weltgeschichtlichen Sieg der Arbeiterklasse geführt hat.“ Und: „In der Arbeiterbewegung aller Länder führte die russische Revolution zur Scheidung der Geister. Wer die Lehren dieser größten Umwälzung der Weltgeschichte nicht begreift, wer sich nicht vorbehaltlos und bedingungslos mit dem Proletarierstaat solidarisierte, der landete sehr rasch im Lager der Konterrevolution.“ Heute, wo sich die Tage des Roten Oktober zum einhundert und sechsten Mal jähren, besteht die Sowjetmacht nicht mehr.

Aber nicht von äußeren Feinden wurde sie zerschlagen, sondern von innen her gestürzt, von den modernen Revisionisten, die in die Fußstapfen der Menschewiki und Sozialrevolutionäre traten, den Sowjetstaat in eine bürgerliche Diktatur, in ein riesiges Zuchthaus für die Arbeiter und Bauern verwandelten. Kamen die Revisionisten, einschließlich Gorbatschow, dieser berief sich zur Täuschung der Massen vordergründig stark auf die Spätschriften Lenins, während er bewusst die Sowjetunion von innen zum Einsturz aushöhlte, noch in der Toga des Marxismus-Leninismus daher, so sehen wir nach dem Zerfall der Sowjetunion, nach dem Fortschleudern jeglicher marxistisch-leninistischen Terminologie, was für einen spezifischen politischen Typus der sowjetische Revisionismus hervorgebracht hat: Eine KPdSU-KGB-Oligarchenmafia, hochgekommen in einer aasgeierhaften Bereicherungsorgie, die sich nicht mehr wie noch die Sowjetrevisionisten auf die Oktoberrevolution berufen, sondern auf den großrussisch-zaristischen Chauvinismus, dessen Kreuz heute das Wahrzeichen des Überfalls auf die Ukraine ist.

Der von den Revisionisten bewusst angestifteten ideologischen Zerfahrenheit gilt es für die wahren Marxisten-Leninisten heute Kurs zu halten. Der Weg der Oktoberrevolution, das ist der Weg des bewaffneten Aufstands, der Weg des gewaltsamen Sturzes des Ausbeutersystems. Der Weg, den heute die Revisionisten als Abenteurertum und Provokation begeifern. Aber keine unterdrückte Klasse, die sich befreien will, kann einen anderen Weg gehen als den der Oktoberrevolution. Alles andere, was die Revisionisten und Opportunisten anpreisen, ihre „besonderen“, „parlamentarischen“, „dritten“ Wege, sind Holzwege des Verrats, die zur Kapitulation vor der Bourgeoisie und damit in die Niederlage führen.

Aber so wie der Rote Oktober im Herzen der Völker weiterlebt, gibt es auch heute die Kräfte, die das Banner der Oktoberrevolution, von den Verrätern in den Staub geworfen, wieder aufgenommen haben: Das sind die wahrhaft marxistisch-leninistischen Parteien, die im Sinne der Bolschewiki, im Sinne Lenins und Stalins die Arbeiter organisieren, unter ihnen die Notwendigkeit und Unvermeidlichkeit der Revolution propagieren, die die Klasse und das Volk vorbereiten auf die kommenden Schlachten, damit einmal die Morgenröte des Oktober über der ganzen Welt erstrahlt.

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