Berlin: Die „Gorillas Kollegen/-innen“ haben gewählt – Fahrradkuriere haben jetzt einen eigenen Betriebsrat!


Redaktion Betrieb+Gewerkschaft – 1. Dezember 2021

Nach monatelangem Ringen ist es vollzogen: Ein großer Erfolg für die prekär beschäftigten Kollegen/-innen des Online-Lieferdienstes Gorilla in Berlin. Das Unternehmen erschwerte die Wahl bis zuletzt. Doch nach hartnäckigem und solidarischen Kampf gründete sich ein 19-köpfiger Betriebsrat.

Es ist geschafft, wenn auch nach vielen Hindernissen: Die Gorillas haben einen eigenen Betriebsrat. Nach monatelangem Kampf der Fahrradkuriere um eine eigene Arbeitnehmervertretung bei dem Lieferdienst-Startup in Berlin schloss am Sonnabend um 15 Uhr das Wahllokal in Friedrichshain . Nach der Auszählung sind dann nun 19 Betriebsräte gewählt.

Urne mit Weihnachtsbeleuchtung. Am Sonnabend endete die Betriebsratswahl beim Lieferdienst Gorillas. Bild: YouTube (Ausschnitt)

Sechs Tage lang hatten die sogenannten Rider und Picker – also die Fahrer/innen und diejenigen, die bestellte Lebensmittel in den Gorillas-Warenhäusern bereitstellen – in der vergangenen Woche Zeit, um ihre Stimme für ihren betriebsrat abzugeben. Am Samstagnachmittag wurde das Ergebnis im gut gefüllten Wahllokal in Friedrichshain öffentlich bekannt gegeben – ein ehemaliges Warenlager des Unternehmens, in dem der Betriebsrat ab jetzt agieren will. Insgesamt 19 Betriebsrätinnen und Betriebsräte werden künftig die Interessen der Kolleginnen gegenüber der Unternehmensführung vertreten.

Gewählt haben jedoch nur rund fünf Prozent der Beschäftigten in Berlin. Das liege unter anderem daran, dass das Unternehmen den ArbeitnehmerInnen die Wahl erschwert habe, sagte der Anwalt Martin Bechert, der mehrere Gorillas-FahrerInnen vor Gericht vertritt, der Berliner Zeitung. Mithilfe von Zetteln, auf denen gestanden habe, dass man sich zum Wählen mit einem Tag Vorlauf beim Vorgesetzten anmelden müsse, habe Gorillas spontane Stimmenabgaben unterbunden.

Auch gerichtlich hatte der Konzern versucht, gegen die Wahl vorzugehen. Aufgrund von Formfehlern und „eklatanten Mängeln“ bei der Wahl des Wahlvorstands im Juni hätte die Betriebsratswahl abgebrochen werden müssen, argumentierte das Management. Sowohl das Arbeitsgericht als auch das Landesgericht in zweiter Instanz gaben jedoch der ArbeitnehmerInnenseite Recht.

Jetzt soll sich einiges an den Arbeitsbedingungen der Beschäftigten ändern. „Mit dem Betriebsrat können wir Einfluss auf die Entscheidungen der Unternehmensführung nehmen“, sagt Zeynep, eine der gewählten Betriebsrätinnen. „Die waren bisher nicht immer vorteilhaft für die Kollegen/-innen.“ Ein Kollege, Yasha, der ebenfalls in den Betriebsrat gewählt wurde, korrigiert: „Noch nie“ sei das der Fall gewesen. Ihre Nachnahmen wollen Zeynep und Yasha nicht nennen – auch wenn beide sagen, sich nicht um ihre nur befristeten Arbeitsverträge zu sorgen.

Zeyneps und Yashas Arbeitsverträge existieren nur in digitaler Form. Sie wollen jetzt vor Gericht geltend machen, dass die ohne Unterschrift nichtig seien. Außerdem, sagen beide, beschäftige Gorillas seine ArbeiterInnen wegen des hohen Personalbedarfs auch nach Ablauf von Verträgen in der Regel momentan einfach weiter.

Protest vor der Berliner Firmenzentrale von Gorillas.  Foto: picture alliance/dpa/Monika Skolimowska


Winterkleidung und intakte Fahrräder

Die ersten Forderungen des Betriebsrats klingen wie Selbstverständlichkeiten, sind es bei Gorillas aber offenbar nicht: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, der auch pünktlich aufs Konto kommt. Keine grundlosen Entlassungen mehr, sowie funktionstüchtige Winterkleidung und intakte Fahrräder.

Wir sind sehr stolz auf die Berliner Gorilla-Kollegen/-innen und wünschen ihnen weiterhin Mut und viel Unterstützung ihrer Kollegen/innen – den ein Betriebsrat ist nur so gut wie die Kollegen/innen hinter ihm stehen!
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Lest dazu bitte auch:

Was geht ab bei Gorillas?

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