Warnung vor den “Verbesserern“ der Lage der arbeitenden Klasse

Volkskorrespondenz zum Wochenede
Heinz Ahlreip – 18. Juni 2022

Heinz Ahlreip

Oxfam ist eine, aus Quellen des Quäkertums 1942 in Oxford, als internationaler Verbund verschiedener Hilfs- und Entwicklungsorganisationen gegründete Organisation, und arbeitet nach eigener Aussage weltweit dafür, dass sich Menschen in armen Ländern nachhaltige und sichere Existenzgrundlagen schaffen können, Zugang zu Bildung, gesundheitlicher Versorgung, Trinkwasser und Hygiene-Einrichtungen sowie Unterstützung bei Krisen und Katastrophen erhalten. Die Geschlechtergleichheit steht auch auf ihrer Fahne. Alles nette Sachen, nicht wahr! Dafür spendet man doch gerne.

Diese Organisation kommt in ihrem aktuellen Bericht vom 23. Mai 2022 über soziale Ungleichheit zu dem Ergebnis, dass fast die Hälfte der Menschheit, also 2,3 Milliarden Menschen, in Armut leben. Der Maßstab zur Feststellung von Armut ist in US-Dollar festgesetzt, er beträgt 5 ½ Dollar pro Tag. Wer weniger als diese Summe am Tag verdient oder erbettelt, ist ein armer Hund, fristet ein tierisches Dasein. Lenin spricht denn auch vom tierischen Dasein der Lohnsklaverei. Verdienen die Lohnsklaven in den fortgeschrittenen, modernen Industrienationen zwar mehr als 5 ½ Dollar die Stunde, so fristen auch sie ein tierisches Dasein, dem eine korrupte Arbeiteraristokratie entkommen möchte. Der Lohnsklave ist eine Handelsware wie jede andere Handelsware, er ist entmenschlicht.

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Was schlägt nun Oxfam zur Verbesserung der Lage der arbeitenden Klassen vor? Man lese und staune: Auch Konzerne und Superreiche müssen ihren fairen Beitrag zum Allgemeinwohl leisten. Wie kann man vom Allgemeinwohl sprechen, wenn die Hälfte der Menschheit am Rande des Existenzminimums dahinvegetiert, gerade bedingt durch die Konzerne und die Superreichen? Das durch Konzerne und Superreiche bedingte tierische Dasein der Menschheit muss also in den Augen dieser Wohltätigkeitsorganisation bestehen bleiben. Als ob Blutsauger einen fairen Beitrag zum Allgemeinwohl der von ihnen mehr und mehr blutärmer Ausgesaugten leisten könnten. Das Finanzkapital bezahlt die Opportunisten in der Arbeiterbewegung und die bürgerlichen und kleinbürgerlichen Politiker, ohne die es sich gar nicht halten könnte, in den Parlamenten zu gut, als dass Steuererhöhungen zu ihren Lasten passieren könnten.

Gerade am 23. Mai 2022 hätte man auf die Gefahr eines dritten Weltkrieges verweisen müssen, auf den die Konzerne und die Superreichen mit aller zur Verfügung stehenden Kraft hinarbeiten. Alle diese konterrevolutionären Elemente unterstützen bewusst oder unbewusst den imperialistischen Krieg, denn die Herrschaft des Finanzkapitals beinhaltet auch, dass der imperialistische Krieg heute in der ganzen Welt zur vorherrschenden internationalen Politik geworden ist, die unvermeidlich neue imperialistische Kriege zeugt. Das ist seit 1914 bis zum heutigen Krieg um die Ukraine zum Eckstein der gesamten Politik aller imperialistischen Länder des Erdballs geworden. 5 ½ Dollar am Tag und rapide steigende Rüstungsausgaben weltweit für die Vorbereitung eines dritten Weltkrieges, das gehört zusammen. Darauf hinzuweisen ist auch die Pflicht einer Wohltätigkeitsorganisation.

Eine wirkliche Wohltat für die Völker besteht darin, dass man sie praktisch darin unterstützt, dass sie sich ihrer Rechte bewusst werden, Konterrevolutionäre zu bestrafen. Nur das führt zu Wohltaten für die Völker. Immer wieder schießen sogenannte Wohltätigkeitsorganisationen meist konservativer oder bourgeoiser Herkunft aus dem kapitalistischen Boden, die schon Marx und Engels im Manifest aufs Korn genommen haben: “Ein Teil der Bourgeoisie wünscht den sozialen Mißständen abzuhelfen, um den Bestand der bürgerlichen Gesellschaft zu sichern. Es gehören hierher: Ökonomisten, Philanthropen, Humanitäre, Verbesserer der Lage der arbeitenden Klasse, Abschaffer der Tierquälerei, Mäßigkeitsvereinsstifter, Winkelreformer der buntscheckigsten Art.“1 Vom Wortlaut her sind die reaktionären Verbesserer der Lage der arbeitenden Klasse am übelsten.  Und wie begegnet man ihnen theoretisch? Durch ein intensives Studium des auch heute noch revolutionären Buches von Friedrich Engels aus dem Jahr 1845: ‘Die Lage der arbeitenden Klasse in England`, in dem er zum ersten Mal in der Theorie der Arbeiterbewegung die markante Feststellung traf, dass das Proletariat sich selbst befreien wird.

1 Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Werke, Band 4, Dietz Verlag Berlin, 1960, Seite 488.  

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2 Kommentare

  1. Konsequenterweise müsstest Du dann auch gegen Transferleistungen (Hartz 4, Kindergeld etc.) und Wohltätigkeit (Tafeln, Kinderheime etc.) in Deutschland sein, solange eine ausbeuterische kapitalistische Wirtschaft in Deutschland existiert. Damit kann ich mich nicht anfreunden. Es geht um das Leben von Menschen, und das sollte Linken wichtig sein und an erster Stelle stehen.

  2. Lieber Martin, zuerst müssen wir doch einmal zwischen Stattlichen Leistungen und Wohltätigkeitsvereinen unterscheiden. Beiden gemeinsam ist das sie das von uns allein Erarbeitete verteilen. Bei den Stattlichen Leistungen zeigt doch gerade Hartz4, das der kapitalistische Staat den Transfer nicht in unserem Sinne würdevoll gestaltet, sondern unseren Interessen entgegengesetzt, als Instrument der Repression nutzen. Wohltätigkeitsvereine machen den durch den Kapitalismus in Not Geratenen zum Bittsteller. Das kann auch nicht in unserem Sinne sein. Auch wenn der Kommunismus noch in weiter Ferne liegt haben wir doch immer das Ziel: “Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!“ vor Augen. Gruß Werner

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