Königin Elisabeth II. und Benno Ohnesorg

Seit 6. Februar 1952 ist Elisabeth II. Königin des „Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland“. Ihr Anspruch auf Thron und Krone wird bis heute ganz offiziell mit der „Gnade Gottes“ begründet – ein altes Konzept der Legitimation staatlicher Macht. | Bild: Lord Castlepool

Redaktion – 8. Juni 2022

Der Feiermarathon anlässlich des 70. Thronjubiläums der britischen Königin Elisabeth II. vom 2. bis 5. Juni 2022 ist in den bürgerlichen Massenmedien verkürzt und damit auch falsch wiedergegeben worden. Deutlich geworden ist, welche enorme Ausmaße an Massenmanipulierung durch perversen Kitsch diese Medien bereits erreicht haben, wozu sie bereits in der Lage sind!  Die Völker werden regelrecht infantilisiert.

Das englische Königshaus versteht sich als eins „von Gottes Gnaden“. Marx sprach im Herbst 1843 davon, dass der christliche Staat auf einem Menschenkehricht (kursiv von Marx) basiert.1 Kehricht säubert man am besten hinweg. Es liegt hier der erste Fingerzeig von Marx vor, dass in einer menschlichen Revolution, Marx spricht 1843 noch nicht von einer proletarischen Revolution, gesäubert werden muss. Vier Tage stank fast die ganze Welt nach diesem Menschenkehricht, das historisch seiner Hinwegsäuberung harrt. 

Der 2. Juni 2022 war für fortschrittliche Menschen nur bedingt der Erinnerung an den 2. Juni 1952 wert, vielmehr der Erinnerung an die Ermordung des deutschen Studenten Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 im damaligen Westberlin. Das ist jetzt bereits 55 Jahre her. Beides, das blutig-imperialistische Raubsystem, 1967 durch den Schah von Persien repräsentiert, und der Polizistenmord an einem deutschen Studenten gehören zusammen. Wurden die Menschen besonders im britischen und deutschen Fernsehen durch romantische Jubelorgien auf die royalistische Raub- und Mörderbande benebelt, so fiel der Name Benno Ohnesorg am 2. Juni überhaupt nicht. Fällt dieser nicht, so kann natürlich auch nicht der Zusammenhang zwischen dem 2. Juni 1952 und dem 2. Juni 1967 hergestellt werden, der aber für Dialektiker existiert. Ohne diesen Zusammenhang aber wird die grelle royale Hofberichterstattung einseitig, falsch und kriminell. Der Tod Benno Ohnesorgs ist mehr als nur ein Wermutstropfen in die Personenkultorgie um eine der reichsten und habgierigsten Frauen der Welt. Würde es eine ausgewogene Berichterstattung geben, hätte es am 2. Juni 2022 im deutschen Fernsehen den ganzen Tag Sondersendungen und Dokumentationen über den Polizistenmord an Benno Ohnesorg geben müssen. Warum war das nicht der Fall? Warum berichtete ausschließlich Panorama drei Tage später?

2. Juni 1967: Der ermordete Benno Ohnesorg umringt von Helfern des Roten Kreuzes bei seiner Einlieferung ins Krankenhaus, wo er kurze Zeit später verstarb. | Bild: Archiv Roter Morgen

‘Polizei, Justiz, Senat – sind ein Gangstersyndikat‘! Das war eine der richtigen Parolen, die in der damaligen Studentenbewegung lautstark auf dem Kurfürstendamm skandiert wurden. Der Freispruch für den uniformierten Mörder Kurras, der Ohnesorg von hinten in den Kopf geschossen hatte, bestätigte das nachhaltig. Daran aber darf auch 55 Jahre später nicht gerührt werden. Lenin lehrte uns, dass die Bourgeoisie vor der selbständigen Bewegung des Proletariats hundert Mal mehr Angst hat als vor jeder beliebigen Reaktion. Und die englische Queen ist da als Vogelscheuche äußerst willkommen, zugleich ist sie ein Paradiesvogel, auf den sich alle Blicke richten sollen. Im Grunde hatte die Szenerie mit den bunten Luftballons, dem idiotischen Saufen in den Pubs und den Union-Jack-Fähnchen-Meeren etwas Grauenhaftes an sich, sie zeigt, wie hohl diese Gesellschaft ist, wie sehr sie am Abgrund steht.

Und dieser Abgrund, der sich in den vier Feiertagen am Stück aufgetan hat, ist in seiner Tiefe gar nicht erfasst worden. Das ist auch ein Erfolg der Massenmanipulierung im Namen des imperialistischen Systems. Bürgerliche Juristen mit ihrer Notstandsgesetzgebung, bürgerliche Polizisten mit ihrem aggressiv-gewaltsamen Vorgehen gegen die Volksmassen und bürgerliche Journalisten mit ihren wahnwitzigen Volksverdummungsbeiträgen “arbeiten“ am selben Strang: Die Ermordung von fortschrittlichen Menschen und Revolutionären durch Terror-Organe der BRD hat straffrei zu bleiben. Lenin hat völlig Recht, wenn er eine Parallele zu den antiken Sklavenhalterstaaten zieht: “Die Freiheit der kapitalistischen Gesellschaft bleibt immer ungefähr die gleiche, die sie in den antiken griechischen Republiken war: Freiheit für die Sklavenhalter“.2 Der Lohnsklave darf getötet werden.

Auf gespenstische Weise zeigte sich, wie Recht Marx mit einer seiner Schlussfolgerungen aus der Niederlage der Pariser Commune hatte: Sie habe gezeigt, dass der Bourgeois sich für den rechtmäßigen Nachfolger des Feudalherrn erweise.3 Was Marx schon 1871 sah, das ist 150 Jahre später dem monarchistisch gesinnten Menschenkehricht auf Erden immer noch nicht präsent. Auch deshalb ist er zum historischen Untergang verdammt.

1 Karl Marx, Zur Judenfrage, Werke, Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1960, Seite 359.
2 Lenin, Staat und Revolution, Werke, Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1960, Seite 474.
3 Karl Marx, Der Bürgerkrieg in Frankreich, in: Ausgew. Werke, Progress Verlag Moskau, 1975, Seite 321.

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