Lufthansa: Der Dank für neun Milliarden Subventionen: 29-Tausend Kollegen/innen müssen gehen!

Lufthansa Symbolbild von Andrew Cupitt, Bearbeitung: RoterMorgen


Volkskorrespondent Nico Diener – 9. Dezember 2020

Neun Milliarden Euro Steuergelder steckte der Staat der Airline Lufthansa in den Hintern. Zum Dank müssen bis zum 31. Dezember 29.000 Kollegen/innen gehen!

Das muss man sich einmal ganz langsam vor Augen führen. 9 Milliarden Euro aus Steuergeldern und 29-tausend Arbeitslose ab 1. Januar 2021. Offensichtlicher kann es nicht sein, in welchem widerwärtigen Gesellschaftssystem wir alle leben!

Das Begründungsblabal

Die Lufthansabosse behaupten, schuld sei eine erforderliche Umstrukturierung, die der Konzern aufgrund der Wirtschaftskrise und der gesunkenen und vermutlich niedrig bleibenden Nachfrage nach Flügen durchläuft. „Da die Dauerrhaft schrumpfen müsse, seien ganze 27.000 Vollzeitstellen überflüssig“, so Konzernchef Carsten Spohr. Weiter lobte Spohr, dem alles „viel zu langsam gingt“, die Bundesregierung. Er fügte hinzu: „Selbst mit der Bundesregierung waren wir schneller als mit den Gewerkschaften am Boden und im Cockpit.“

Parasit, Multimilliardär und Lufthansa Aktionär Heinz Hermann Thiele hat gut Lachen. Regierung und ver.di krümmen ihm kein Haar. Bild: YouTube (Ausschnitt)

29.000 Stellen werden nun also bis Jahresende abgebaut sein, mehr als 20.000 davon im Ausland. Das Europageschäft des Tochterunternehmens LSG, welches 7.500 Arbeiter/innen beschäftigt, wurde bereits verkauft. Übrig bleiben werden nun wohl knapp unter 100.000 Arbeitsplätze.

Aber das ist noch nicht alles: Die Entlassungswelle soll auch im kommenden Jahr weiter gehen: 10.000 Kollegen/innen der Lufthansa sollen 2021 in Deutschland auf die Staße fliegen.

Das Unternehmen wurde von der Wirtschaftskrise hart getroffen. 5,6 Milliarden Verlust hat es im laufenden Jahr gemacht. Der Staat rettete das Unternehmen mit einer Summe von neun Milliarden Euro vor der sicheren Pleite. Von dem Steuergeld ist bereits jetzt ein Drittel aufgebraucht, den Arbeitern und Arbeiterinnen ist jedoch damit nicht geholfen.

Immer schnell zur Stelle

Ja, die Regierung des Kapitals ist immer schnell zur Stelle, wenn ihre Herren rufen: So war Ex-SPD-Minister Sigmar Gabriel schnell zur Stelle, als er Tönnies verteidigen musste; Scholz und Merkel waren zur Stelle, als Wirecard in China den Dienst der Bundesregierung in Anspruch nehmen wollte. Sie war auch zur Stelle, neun Milliarden in die Lufthansa zu stecken, die nun 27.000 Kollegen/-innen entlassen hat. Noch vor einigen Wochen brüstete sich der parlamentarische Geschäftsführer der SPD, Carsten Schneider, damit: „Der Staat ist nicht der dumme August, der das Geld gibt und dann nichts zu melden hat.“

Der einzige Weg aus der Krise ist die entschädigungslose Verstaatlichung unter Kontrolle der Arbeiter. Das ist angesichts der Entwicklungen im weltweiten Luftverkehr und der Art der Geschäftsführung nicht vermeidbar. Das Unternehmen hat nicht nur ihre vertragliche Zusage gegenüber der Gewerkschaft UFO gebrochen, bis 2024 keine Beschäftigte zu entlassen, sondern treibt mit staatlichem Geld Tausende Menschen und Familien in Corona-Zeiten in den Ruin. Jeder siebte Beschäftigte ist von dieser Entlassung betroffen.

Ironischerweise werden die Entlassungen von der Politik als Flexibilität verkauft: Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer warnte vor Kurzem noch vor der Verstaatlichung von Lufthansa, weil man bei anderen Großunternehmen mit Staatsbeteiligung gesehen hätte, dass den Firmen die Flexibilität genommen wurde. Flexibles Handeln wäre in dieser Logik für den wirtschaftlichen Erfolg notwendig. Dabei verschwieg er, dass die Lufthansa bis 1963 ein fast vollständig staatliches Unternehmen war und erst 1997 vollständig privatisiert wurde. Die Staatsbeteiligung hatte offensichtlich nicht verhindert, dass die Lufthansa ein Weltunternehmen wurde.

Müssen wir uns das gefallen lassen?

NEIN! Wir brauchen keine flexible Lufthansa, die im Sinne seiner Aktionäre Tausende Menschen in die Arbeitslosigkeit schickt. Und auf die etablierten Gewerkschaften ist kein Verlass. So einigte sich ver.di am 11. November mit den Lufthansabossen auf Lohnkürzungen, „damit mehr Arbeitsplätze erhalten bleiben“. Mann könnte denken, dass sie blöde sind und immer noch nicht aus der Geschichte gelernt haben. Aber so ist es nicht – Die Verdibosse wissen ganz genau, was sie tun und spielen ihre Rolle als Puffer zwischen Lohnarbeit und Kapital sehr gut. Das Ziel dabei ist immer die Erhaltung des kapitalistischen Wirtschaftssystems, der Ausbeuterordnung, in der nur die Klasse der Kapitalisten die Macht hat und die Früchte unserer täglichen Arbeit erntet!

Proteste bei der Aktionärsversammlung der Lufthansa im Juni 2020. Kollegen verlangen die Verstaatlichung. Bild: YouTube


Wir fordern:

.
.
Die sofortige Verstaatlichung
von Lufthansa
und ihrer Tochter-
unternehmen unter
Kontrolle
der Kollegeninnen und Kollegen!

.

20 Kommentare

    • Hallo Phil,

      wir haben nicht nur alle beisammen, sondern auch eine 53-jährige Kampferfahrung.
      Auch wenn es für viele Kollegen schmerzlich ist, es ein zu sehen, die DGB-Gewerkschaften haben seit ihrer Gründung ihre Aufgabe als Puffer zwischen Lohnarbeit und Kapital und als Organ zur Beschwichtigung der Werktätigen immer gut erfüllt.

      Die Antwort auf die Entlassung der 29 Tausend Kollegen hätte ein sofortiger Generalstreik sein müssen.! Stattdessen einigen sie sich mit den Bossen auf eine Gehaltssenkung.
      Aber die Kollegen lernen dazu. Mit Warnstreiks, Lichterketten und Butschi-Butschi-Aktionen lässt sich kein Arbeitskampg gewinnen.

      Mit kollegialem Gruß
      Fiete (ver-di)

  1. Die Lufthansa ist unter anderem in Schieflage geraten weil sie über 20 000 Mitarbeiter zu viel hat. Hätte man an dem seit Jahren bekannten Problem gearbeitet wäre einiges besser gekommen. wie heißt es so schön: was Schaden macht muss weg. Hier sieht man ganz deutlich das Versagen hochbezahlter Manager in Verantwortungspositionen. Nur wie werden diese jetzt zur Verantwortung gezogen? Wie üblich: goldener Handschlag und ab ins nächste Unternehmen!

        • Wenn sie die Lufhansa übernommen hätten würde sich zuerst nichts an den Regeln der kapitalistischen Ordnung ändern.
          Aber das Geld hätte sinnvoller verwendet werden können. Hinzu kommt das das Sein das Bewußtsein prägt. Die entscheidung wie man mit Kollegen umgeht für die nun gar keine Arbeit mehr da ist würde eine Klassenentscheidung sein. Und nicht die Entscheidung der Klasse der Profitgierigen.
          Für die Klassenbrüder könnten Wege nach anderen Dienstleistungen gesucht werden die bisher fürs Kapital weniger Profietträchtig waren und deshalb vernachlässigt wurden.

          Die Denker, Ingeniereure usw. sind nicht die Kinder der Aktionäre, sondern stammen aus unseren Reihen! WIR werden schon einen Weg finden!
          Dabei fällt mir Brecht ein:
          „In Erwägung, es will euch nicht glücken
          uns zu schaffen einen guten Lohn
          übernehmen wir jetzt selber die Fabriken
          in Erwägung, ohne euch reicht’s für uns schon.“

          Aus Resolution der Kommunarden
          https://lyricstranslate.com/de/bertolt-brecht-resolution-der-kommunarden-lyrics.html?fbclid=IwAR22yuo6BLg4c-Hs3Yv1o5Lb0DNpHDlli1EJD37ywSHTsIz9x9E9czPrQvU

  2. Da kann die LUSThansa die nächste Party starten. Nächstes Jahr, wenn die Daumenschrauben kommen, werden sich hier noch einige verwundert die Augen reiben… 100 Prozent Zustimmung zum Regierungskurs würde mich nicht überraschen. 😉🤮

  3. Das perverse dabei ist (das wurde gar nicht im Artikel herausgestellt) dass die Neustrukturierung eine Bedingung der kapitalistischen Bundesregierung für die neun Milliarden waren.
    Man bedenke, die Linkspartei kritisiert einerseits die Entlassungen, andererseits fahren sie mit der SPD einen Schmusekurs um nach der Bundestagswahl 2021 mit genau dieser Partei zu koalieren. Der richtige Weg wäre, den Protest mit den Gewerkschaften auf die Straße zu bringen und die Klassenfrage zu stellen. Aber für den DGB und die PdL sind 29.000 Arbeitsplätze wohl nur Peanuts. Obgleich die Lufthansa ja nur eine „Baustelle“ ist. In allen Wirtschaftszweigen schlägt gegenwärtig die Krise zu. Eine klassenbewusste Partei und Gewerkschaft hätte der Kapitalistenklasse einen heißen Herbst servieren können. Haben sie weder gemacht, noch gewollt.

  4. Das liegt am Unternehmen…Milliarden Euro abkassiert und trotzdem nicht in der Lage sein Personal zu halten….unverständlich…sollten sich mal von den kleinen Unternehmen was anschauen…

  5. Jetzt mal abgesehen von dem unnötigen ver.di-Bashing, das bei der Quelle allerdings Tradition hat, sind die Kritik an der Bundesregierung und die Verstaatlichungsforderung völlig richtig.
    Was hier (in dieser Gruppe) allerdings einige nicht zu verstehen scheinen, oder nicht verstehen wollen, ist, dass solche Kritik eben nicht dazu führen muss, mit Nazis zusammen zu demonstrieren oder Quark zu denken.

  6. Lustig ist es schon wie der Sozi immer nach mehr Staat und mehr Macht und mehr Regulierung ruft und dann gehts jedesmal in die Hose und wie es der Sozi immer macht – er wird nicht schlauer sondern sucht die Schuld wieder bei bei ALLEM nur nich bei sich und seiner ursprünglichen Schnappsidee 🙂 Noch nie im Leben irgendwas erwähnenswertes hinbekommen – aber es wird bei tausendsten Versagen noch nichtma entfernt in betracht gezogen das es an einem selbst und der eigenen Schnappsidee liegen könnte 😂
    DU wolltest zwangssteuern
    DU wolltest Anführer
    DU wolltest Regulierung
    DU wolltest Lockdown
    DU wolltest staatliche Ersatzzahlungen
    Das hast du alles bekommen! Und das ist das Resultat – TRAGE es !!
    DU hast wieder mal VOLL VERSAGT
    Das DU dir das anders VORGESTELLT hast interessiert KEINEN HUND.
    NUR ERGEBNISE ZÄHLEN!
    Und DEIN Ergebnis ist ROTZ – setzen 6 und in zukunft klappe zu

  7. Ganz einfach so wie Gandhi es in Indien gegen die Englischen Besatzer und deren Baumwolle gemacht hat.
    Einfach wenn möglich nicht mehr mit der Lufthansa fliegen.
    Nur so können wir als Verbraucher was bewirken.
    Sonst wird niemals was passieren.
    Ein Boykott hat in den 30 ern Jahren was bewirkt.
    Warum nicht heute?

  8. Zu den Gewerkschaften…die sitzen doch selber in den Vorständen…vollgefressen an den Trögen der Macht…die letzten 25 Jahre haben die nur zugeschaut, wie es mit den Löhnen bergab geht , Hartz4 sich etabliert hat, Zeitarbeitsbuden sprich Sklavenhalter wie Pilze aus den Boden geschossen sind, und jetzt, wo eine Groß bzw. Kleinbude schließt oder ihre Leute vor Weihnachten auf die Straße setzt, geht das Gejammere los..aber ihr habt ja von Murksel so viele Goldstücke und Raketenwissenschaftler bekommen, die billiger sind und auch williger, für einen Hungerlohn arbeiten zu gehen…die schaffen das schon… Hauptsache für diese sogenannten Fachkräfte sind pro Jahr mal locker so an die 50 bis 100 Milliarden € vorhanden…und das ohne große Diskussion…Murksel will dass so und dann wird das auch ohne Rücksicht auf den Biodeutschen durchgezogen…und unsere sogenannte Volkstreter nicken das ab…aber wehe, es soll auch nur ein einziger Cent für Renten, Hartz4 oder Pflege, Bildung und sonstige wichtige Dinge bereit gestellt werden…dann geht das Gefeilsche und Gejammere wie auf einem Pferdemarkt los….Deutschland schafft sich ab und das schneller als uns lieb ist…der deutsche Dummmichel macht weiter sein Kreuzchen an die richtige rotlinksgrünschwarz Stelle und rennt blindlings ohne Hirn in sein Verderben…die Einzigsten, die wirklich noch Eier in der Hose hatten, waren die ehemaligen DDR,ler, die 1989 ganz schnell Schluß machten mit Honi und Co…und heute…schade für dieses schöne Land…

  9. Auf dem Wirtschaftsmarkt zählt nur der Gewinn und da ist nichts Sozial , Die Pandemie hat uns die gelegenheit gegeben was zu ändern aber es gehen lieber Leute auf die Strasse gegen die Maßnahmen und der Maske soviel Menschliche Dummheit habe ich Nie für möglich gehalten in einem Land wo Schul Pflicht besteht !

  10. Wo ist eigentlich das ganze Geld ich meine die Milliarden die Lufthansa an Boni gezahlt hat geblieben und die Gewinne aus vielen Jahren davor und jetzt nach dem Steuerzahler schreien, die Mitarbeiter tun mir sehr leid aber etwas ist da wohl in die falsche Richtung gelaufen

  11. Das es nicht zu einer Verstaatlichung kommen wird ist ohnehin klar. Leider sehe ich darin auch keine Lösung, da das Problem in der falschen Besteuerung von Vermögen und Interessenkonflikten innerhalb der Politik liegt. Die Wiedereinführung der Vermögenssteuer, ein Verbot von Nebeneinkünften für Abgeordnete u. Parlamentarier, sowie Gesetze die eine Verwendung von Kapital für noch nicht erbrachte Leistungen unter Strafe stellt wäre mein Wunsch. Eine Planwirtschaft, wo der Staat die Entscheidungen trifft ruft bei nicht weniger Alpträume hervor.

    Sicherlich bedaure ich es für jeden einzelnen Mitarbeiter und stimme im Grunde auch zu. In der Arbeitswelt, wo sich die meisten Menschen befinden sind Gewerkschaften ohnehin nur negativ bekannt und kreiren schlechte Manteltarifverträge. Mich hat die Lufthansa in Kanada entlassen gehabt. Dann hab ich hier in Berlin eine Arbeit aufgenommen, die ich jetzt kündige zum 25.12 kündige weil der Arbeitgeber ein Problem mit Ihm von mir bekannten Vorerkrankungen hat. Arbeitsrecht bedeutet dies selbst durchzusetzen und Gesetze spielen schon lange keine Rolle mehr und Veränderungen müssen von Arbeitnehmern angestoßen werden indem man auch hier nicht für Firmen tätig wird, die keine ethischen- oder moralischen Werte haben.

    In der realen Welt, sucht man sich einen neuen Job in einem nicht Gewerkschaftsangehörigen Betrieb. Volkswagen und sein eigenes Zeitarbeitsunternehmen Autovision scheint auch kein Problem für Gewerkschaften darzustellen.

    Daher bin ich 2008 ausgewandert, musste aus Sicherheit erst einmal wieder nach Deutschland – aber von allen die damals 2008-2010 in Arbeit und Endlospraktikum mussten hat niemand etwas von einer Gewerkschaft.

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