Erdogan, der Gastarbeiter für die EU

Merkel und Erdogan. Archivbild flickn. CC0

Die EU/NATO war sehr fleißig beim Produzieren von Flüchtlingen: Sei es bei der „Verteidigung im Hindukusch“, bei der Kriegführung im Nahen Osten, den Rüstungslieferungen, den totalen Sanktionen gegen Syrien als auch den Kürzungen der Hilfe für die Flüchtlingslager im Orient.

Jeder selbstverliebte Wolkenkuckucksprinz, der sicher in seinem ökologisch artgerechten Garten lustwandeln möchte, bevor er abends bei Bio-Wein und lokalem Walnussbrot darüber philosphiert, was es bedeutet, ein gutes und gerechtes Leben zu führen, muß die schmutzige Arbeit zur Sicherung seines Ökosystems delegieren.

In der Türkei hatte Europa und vor allem Deutschland einen willigen Gastarbeiter für das schmutzige Staatsgeschäft der Grenzsicherung gefunden. Der deutsche Prinz sagte, es gäbe keine Obergrenze in der Flüchtlingsfrage und der türkische Gastarbeiter sorgte dafür, daß der deutsche Prinz das weiter glauben konnte. Jetzt hat Erdogan beschlossen, zu streiken, diese Arbeit nicht mehr zu vollrichten und die Öffnung der Grenzen (no Border) seines Landes zu Griechenland angekündigt: „Wir werden unsere Tore nicht für Flüchtlinge schließen.“

Jetzt muß Europa die Arbeit wieder selber tun und das bedeutet, daß die Frage erneut aufkommen wird: Was ist die Obergrenze?

Kein Raum hat unendliche Kapazität. Die Obergrenze für Flüchtlinge liegt dort, wo ein Land nicht mehr in der Lage ist, sich um die Flüchtlinge zu kümmern. Nur wer weiß, wieviel Hilfe er geben kann, kann auch helfen. Als Ende 2015 am Münchener Hauptbahnhof eine ungewohnt hohe Zahl von Flüchtlingen ankam und sie von applaudierenden Deutschen empfangen wurden, da fielen überall die Sätze: „Jetzt zeigt Deutschland sein freundliches Gesicht“ und „Auf dieses Deutschland bin ich stolz!“

Bild: Jogi Kraus, CC0

Uns waren die Deutschen, die das selbstergriffen patriotisch und tränengerührt stolz in die Kameras sagten, von Anfang an suspekt. Wir hatten nämlich das Gefühl, daß es ihnen gar nicht um die Flüchtlinge ging, sondern nur um ihr eigenes Image! Sie benutzten die Flüchtlinge, um ihr eigenes schlechtes Gewissen zu beruhigen. Wäre es ihnen um die Flüchtlinge gegangen, sie hätten sich der Verantwortung stellen müssen, die mit der Hilfsbereitschaft einhergeht: Die Frage nach der Grenze der eigenen Kapazität. Es herrschte in Deutschland von Anfang an eine grenzenlose Naivität im Umgang mit der Flüchtlingssituation. Die Flüchtlinge, die aus Syrien und anderen Kriegsgebieten kamen, waren durch Krieg traumatisierte und brutalisierte Menschen, die aus zerbrochenen Clanstrukturen stammten, zusammengehalten von einer autoritären Religion, gegründet von einem patriarchalen Feldherren. Sie in überfüllte, enge Räume und Zelte zu zwängen, nicht selten zusammen mit Menschen aus Ländern und Kreisen, mit denen sie in der Heimat im Krieg lagen, ist das Gegenteil von Hilfe. Es ist das Fortführen des Kriegs mit anderen Mitteln. In einer Gemeinde, in der hoch traumatisierte und brutalisierte Flüchtlinge in Lager gepfercht werden, ist die
Obergrenze erreicht.

Idealisten handeln nach dem Motto: „Ich will morgens in den Spiegel schauen können!“ Menschen aber, die wirklich helfen wollen, leben nach dem Motto: „Ich will morgens aus dem Fenster schauen können!“

All die Bilder, die uns jetzt aus Griechenland schockieren, hat es vorher auch schon gegeben. Sie haben den deutschen „Gutmenschen“ damals jedoch einfach nicht interessiert, weil die schmutzige Arbeit der Grenzsicherung von türkischen Gastarbeitern verrichtet wurde. Soviel zur Doppelmoral.

Franz
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