Der unbelehrbare Revisionist Egon Krenz findet China toll

"Grüß mich nicht unter den Linden Erich". Karrikatur: YouTube screenshot

„China – Wie ich es sehe“ ist der Titel eines Buches, das der letzte DDR-Partei- und Staatschef Egon Krenz 2018 im Verlag „edition ost“ veröffentlicht hat.

„China liefert ein Beispiel, wie gesellschaftliche Probleme so gelöst werden können, dass alle Bürger etwas davon haben.“ Das hat Egon Krenz (Jahrgang 1937), letzter SED-Generalsekretär und DDR-Staatsratsvorsitzender, in einem Interview am Mittwoch in Berlin erklärt. Er stellte in der Ladengalerie der Tageszeitung „junge Welt“ sein neues Buch „China – Wie ich es sehe“ vor. Darin berichtet er von seinen insgesamt sechs Besuchen im „Reich der Mitte“ und seinen Eindrücken: …Ich sehe China vor allem als ein sozialistisches Land. Oder besser gesagt: als ein sozialistisches Land, das auf dem Wege ist, den Sozialismus aufzubauen.

Der chinesische Pseudo-Kommunismus hat sich zur Schutzmacht des Kapitals aufgeschwungen. Mittlerweile ist China das Land mit den rauesten Gepflogenheiten auf dem Arbeitsmarkt. Der Staat spielt bei der Neuverteilung von Reichtum und Macht eine wichtige, die entscheidende Rolle. Hierzu noch ein wichtiger Artikel über das imperialistische China:

Noch immer halten einige linke Organisationen China für ein Land auf dem Weg zum Sozialismus. Aus unserer Sicht ist es das schon lange nicht mehr. Doch nun lässt die herrschende Klasse in China jede pseudo-sozialistische Maske fallen und fordert selbst unverblümt, international als kapitalistische Marktwirtschaft anerkannt zu werden. In einem Grundsatzartikel der Beijing Rundschau vom 7.12.2011 beklagt der Autor Hu Yue:

„China kämpft weiter um Anerkennung als freie Marktwirtschaft“.

Schon in der Einleitung klagt er:

„Nach 30 Jahren marktorientierter Reformen und zehn Jahren WTO-Mitgliedschaft kann China beachtliche Erfolge bei der Öffnung seiner Märkte vorweisen. Trotzdem sprechen Chinas wichtigste Handelspartner – darunter die EU, die USA, Japan und Indien – dem Land noch immer den Status einer freien Marktwirtschaft ab. Die Folge: China wird vermehrt Ziel von Dumping- und Subventionsvorwürfen. Vor allem Chinas Exportunternehmen leiden unter der Situation.“

Mit der Nicht-Anerkennung als kapitalistische Marktwirtschaft soll der Konkurrent China gebremst werden. Damit lassen sich offiziell Handelsbarrieren rechtfertigen. Darüber beschwert sich die herrschende Klasse Chinas, denn das schadet ihrem Profit.

Das ist Marktwirtschaft, das ist Kapitalismus: Die Konkurrenz ist real niemals „frei“, sondern immer ein Kampf, ein Kampf, in dem die Stärksten den Ton angeben und die Konkurrenz niederhalten, ausschalten, übernehmen. Mal findet dieser Kampf als „friedlicher“ Wirtschaftskrieg statt, mal gibt es imperialistische Raubkriege, wo man Gebiete unter seine Kontrolle bringt wie in Afghanistan, Libyen, Irak oder, wo man direkt die großen imperialistischen Konkurrenten angreift und niederringen will wie in den Weltkriegen. Fairness, gleiche Rechte, freier Handel? Das sind nur lächerliche Phrasen, die die brutale Realität verschleiern sollen.

Hu Yue verkündet stolz:

„Dabei hat China die Weltgemeinschaft in den vergangenen drei Jahrzehnten mit beachtlichen Fortschritten bei seinen marktwirtschaftlichen Reformen verblüfft. Bis heute haben bereits 97 der insgesamt 153 Mitglieder der Welthandelsorganisation Chinas Status als Marktwirtschaft anerkannt. Die wichtigsten Handelspartner des Landes aber – darunter die EU, die USA, Japan und Indien – zögern noch immer nachzuziehen.“

Ja, wir kennen diese „Reformen“ auch bei uns. Sie bedeuten immer die Stärkung des Kapitals und Angriffe auf die große Mehrheit in der Gesellschaft, die Arbeiterklasse, die Angestellten, die Bauern, die Frauen, die Jugend, die Rentner usw. In China kennen wir diese Reformen in Form eines Millionen-Heeres von Wanderarbeitern, von Billigstlöhnen von 30-40 Euro monatlich, von Polizeieinsätzen gegen Streikende usw.

Song Hong, Forscher am Institut für globale Ökonomie und Politik der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften sagt offen:

„Die niedrigen Preise, die von chinesischen Exporteuren veranschlagt werden, spiegeln tatsächlich die realen Marktbedingungen im Billig-Land China wider. Sie sind kein Resultat von Subventionen oder anderen Verzerrungsmechanismen, wie man sie üblicherweise in planwirtschaftlichen Systemen findet.“

Hu Yue belehrt die Hüter des freien Marktes aus den westlichen imperialistischen Staaten:

„Eine Marktwirtschaft zeichnet sich dadurch aus, dass Angebot und Nachfrage über die Verteilung von Ressourcen sowie die Preise von Waren und Dienstleistungen bestimmen. In nicht-marktwirtschaftlichen Systemen hingegen entscheidet die Regierung über Produktionsgüter und Produktionsmengen sowie die Preisgestaltung für Waren und Dienstleistungen.“

Und stolz erklärt er weiter:

„Nicht von der Hand zu weisen ist, dass der staatliche Einfluss sowie planwirtschaftliche Mechanismen in China in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen sind. 2008 machten die Einnahmen der chinesischen Regierung nur noch rund 21,8 Prozent des BIP des Landes aus. Das geht aus dem „Bericht über die Entwicklung der chinesischen Marktwirtschaft 2010″ hervor, der vom Institut für Ökonomie und Ressourcenmanagement der Beijing Normal University veröffentlicht wurde. Der Anteil lag damit unter dem weltweiten Durchschnitt von 26,9 Prozent. Der einst dominante, staatliche Sektor schrumpft verhältnismäßig, wohingegen der private Sektor zunehmend wächst und immer produktiver und profitabler wird.“

„Der private Sektor macht heute mehr als die Hälfte der chinesischen Wirtschaft aus und stellt mindestens 70 Prozent aller Arbeitsplätze“, erklärt Huang Mengfu, Vorsitzender des Gesamtchinesischen Dachverbandes für Industrie und Handel.

2008 waren bereits 988 der insgesamt 1293 staatlichen Betriebe, d.h. rund 77 Prozent, in Kapitalgesellschaften mit mehreren Aktionären umgewandelt Laut Beijing Rundschau sagt „Zhuang Jian, Chefökonom für den Bereich China bei der Asiatischen Entwicklungsbank, China sei mittlerweile im Großen und Ganzen zu einer freien Marktwirtschaft geworden, in der die Preise der meisten Produkte durch die Bedürfnisse des Marktes bestimmt würden.“

Und weiter Beijing Rundschau:

„’China ist mit seinen Marktreformen noch lange nicht am Ende‘, prophezeit Fan Gang, Leiter des Nationalen Instituts für Wirtschaftsforschung. ‚Um eine moderne Marktwirtschaft aufzubauen, muss China seine Finanzindustrie noch weiter öffnen…’“

1989: Revisionist Egon Krenz trifft Revisionist Deng Hsiao Ping (Revisionist: Einer, der sich als Marxist ausgibt, den Marxismus aber verfälscht und entstellt). Bild: Bundesarchiv

Offen wird die starke Konzentration des neuen Reichtums in den Händen weniger zugegeben. Die Chinesische Akademie der Sozialwissenschaften führte eine Studie unter Chinas 100 führenden börsennotierten Unternehmen durch. Dabei zeigte sich, dass bei 71 Prozent der Unternehmen die fünf größten Anteilseigner mehr als die Hälfte der gesamten Vermögenswerte des Unternehmens hielten. Hier will man „Kleinaktionäre fördern“. Das kennen wir aus der Privatisierung von VW, der Post usw., wo so genannte Volksaktien ausgegeben wurden – zu hohen Kursen, die kurz darauf rasant fielen. Die Kleinaktionäre waren die Betrogenen, auch das ein beliebtes Betrugsmanöver der kapitalistischen Gesellschaften, um sich als „offen“, „demokratisch“ zu präsentieren. In der Realität ist das aber nur eine Methode, den kleinen Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. So ist der Tenor in der Beijing Rundschau: wir sind sehr weit auf dem Weg zu offenem Kapitalismus vorangekommen, aber wir wollen noch weiter zu noch mehr Ausbeutung.

Ich gebe den Schreibern der Beijing Rundschau recht. China hat wirklich nichts mehr mit Sozialismus zu tun. Es ist kein Modell für Fortschritt, sondern ein Modell für besonders brutale Ausbeutung.

Hosteni
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Erstveröffentlichung in Arbeit Zukunft online. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers.
 Bilder und Bildunterschriften wurden komplett oder zum Teil von der Redaktion AmericanRebel hinzu gefügt.


 

Für den Inhalt dieses Artikels ist der Autor bzw. die Autorin verantwortlich.
Dabei muss es sich nicht grundsätzlich um die Meinung der Redaktion handeln.

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3 Kommentare

  1. Bezug: Die Fakten zur KPCh in Zahlen (siehe unten) {…} und

    Bemerkungen zu Egon Krenz.

    Laut seinem Gespräch mit Jakob Augstein, auf YouTube, hatte die SED 2,4 Millionen Parteimitglieder. Meines Wissens hatte der FDGB bei rund 12 Mio. Erwerbstätige aus allen Berufsgruppen organisiert. Auch gehörte die Mehrzahl der Mitglieder der SED zur Arbeiterklasse. Ich selbst gehörte als Tischler und Metall-Facharbeiter von Ende 1971 bis Oktober 1980 zum FDGB. So auch als gewerkschaftlicher Vertrauensmann der betrieblichen Basis. Wenige Jahre auch als politischer Aktivist zur SEW im damaligen Westberlin.

    Eine kommunistische Partei ist vor allem auch eine Partei der in ihren Reihen organisierten Arbeiterklasse. Sie ist keine politische Organisation der Bourgeoisie, der Kapitalisten und Milliardäre, so wie heute in der VR China.

    Aktuell hat die VR China eine differenzierte Erwerbsbevölkerung von insgesamt 790 Millionen. Der Anteil der Arbeiter, an der Gesamtzahl in der materiellen Wert und Mehrwert schöpfenden Produktion, liegt bei rund 230 Millionen.

    Nach der offiziellen Statistik der Organisationsabteilung beim ZK liegt der Anteil der Arbeiter in der KPCh im Jahr 2017 bei 6,65 Millionen, bzw. 7,42 Prozent der Mitgliedschaft. Das sind weniger als durchschnittlich 3 Prozent der Arbeiterklasse, die in der KPCh organisiert sind. *

    * Der Organisationsgrad unter den 290 Millionen Wanderarbeitern ist noch deutlich geringer, würde man nur ihren Anteil, unter ihren fortgesetzten Lebensbedingungen der sozialen Apartheid in der VR China, berücksichtigen [weiterhin, so noch keine soziale Gleichstellung ihrer ländlichen Familien mit städtischen Arbeitern und Stadtbewohnern].

    ►Eine Kommunistische Partei ist stets eine sozialrevolutionäre und gesellschaftspolitische Organisation der Arbeiterklasse und aller anderen in ihr organisierten Werktätigen. Sie ist keine Partei der in ihr organisierten Beamten und Kapitalisten, Millionäre und Milliardäre, so wie heute in der VR China.

    ►Auch die schmerzhafte (tiefenpsychologische) Enttäuschung bei Egon Krenz, bspw. über die ostdeutsche Arbeiterklasse und Implosion der antiimperialistischen DDR, sowie bei älteren Mitgliedern der Linkspartei und DKP, darf nicht dazu führen, bspw. vormalige sozialrevolutionäre (marxistisch-leninistische) Grundsätze über Bord zu werfen und sich einem bourgeoissozialistischen Weltbild, wie es heute von der antikommunistischen KPCh vertreten wird, anzudienen.

    Gruß Reinhold

  2. Aktuelle Fakten:

    Die Kommunistische Partei Chinas in Zahlen (2019)

    Eine Bereitstellung von Reinhold Schramm

    Quelle: Beijing Rundschau · 08.07.2020

    Gesamtzahl der Parteimitglieder: ca. 91,9 Mio. [Anteil der Arbeiter: 6,96 %]
    1,3 Mio. mehr als 2018

    Organisationen der Partei: Insgesamt 4,68 Mio.

    Parteizellen 4,13 Mio.
    Basisparteikomitees 249.000
    Parteihauptzellen 305.000
    71.000 mehr als 2018 (+1,5%)

    Geschlecht, Nationalität und Bildung der Parteimitglieder
    weibliche Parteimitglieder: 25,6 Mio., 27,9% aller Parteimitglieder
    Parteimitglieder aus nationalen Minderheiten: 6,8 Mio., 7,4% aller Parteimitglieder
    Parteimitglieder mit Fachhochschulbildung oder höher:
    46,6 Mio., 50,7% aller Parteimitglieder

    Alter der Parteimitglieder:
    ≤ 30 = 12,3 Mio.
    31-35 = 9,9 Mio.
    36-40 = 8,8 Mio.
    41-45 = 8,6 Mio.
    46-50 = 9,4 Mio.
    51-55 = 8,8 Mio.
    56-60 = 7,5 Mio.
    ≥ 61 = 26,6 Mio.

    Berufe der Parteimitglieder:
    Arbeiter
    6,4 Mio.
    Bauern, Hirten und Fischer
    25,6 Mio.
    Techniker in Unternehmen,
    Institutionen und
    gemeinnützigen
    Organisationen

    14,4 Mio.
    Administratives Personal in
    Unternehmen, Institutionen
    und gemeinnützigen
    Organisationen

    10,1 Mio.
    Beamte
    7,7 Mio.
    Schüler & Studenten
    1,96 Mio.
    Sonstige Berufe
    7,1 Mio.
    Rentner
    18,7 Mio.

    Quelle der Beijing Rundschau: Organisationsabteilung des ZK der KPCh
    http://german.beijingreview.com.cn/sj/202007/t20200708_800213323.html

    11.07.2020, Reinhold Schramm (Bereitstellung)

  3. Ein Nachtrag zur bürgerlichen Aufklärung über China heute:

    Chinas politisches System und die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.

    Prof. Dr. Thomas Heberer, Seniorprofessor für Politik und Gesellschaft Chinas an der Universität Duisburg-Essen spricht in seinem Vortrag über „Chinas politisches System und die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts“. Dabei erläutert er die Funktion des chinesischen Staates, zeigt auf, warum es sich bei dem Entwicklungsstaat um ein fragmentiertes System handelt und beleuchtet die Frage der Steuerungsfähigkeit insbesondere auf lokaler Ebene. Kann ein autoritärer Staat stabil sein und besitzt er Legitimität? Und was kann man tun und erwarten, um die Steuerungsfähigkeit des Landes zu verbessern? Prof. Dr. Thomas Heberer diskutiert in seinem Vortrag über genau diese Aspekte. Die Veranstaltung fand am Donnerstag, 28. Januar 2016 im Rahmen des Colloquium Fundamentale am ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale statt.«

    Weitere Informationen: http://www.zak.kit.edu/4850.php

    Höre: https://www.youtube.com/watch?v=hWXnrvXq_No

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